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	<title>bewegliche lettern&#187; Letzte Weisheiten über das Internet &#8211; bewegliche lettern</title>
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	<description>medienwandel in gutenbergs welt</description>
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		<title>Letzte Weisheiten &#252;ber das Internet</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 21:42:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Clay Shirky]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin Kelly]]></category>

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		<description><![CDATA[Was die Cyber-Weisen wirklich &#252;ber das Internet denken, enth&#252;llt nun ein Video.  Kevin Kelly, der selbst in Wort und Bild vorkommt, fasst es so zusammen: &#8220;A perfectly silly mashup of pundits like me pontificating about the web. [...]  In the mashup I observe that &#8216;the web is large. It is so much bigger than a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was die Cyber-Weisen wirklich &#252;ber das Internet denken, enth&#252;llt nun ein Video.  Kevin Kelly, der selbst in Wort und Bild vorkommt, <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2009/12/the_web_is_larg.php?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+thetechnium+%28The+Technium%29" target="_blank">fasst</a> es so zusammen: &#8220;A perfectly silly mashup of pundits like me pontificating about the web. [...]  In the mashup I observe that &#8216;the web is large. It is so much bigger than a balloon&#8217; which I have to say is very profound.&#8221; <span id="more-594"></span></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="350" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/2gGopKNPqVk&amp;feature" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="350" src="http://www.youtube.com/v/2gGopKNPqVk&amp;feature"></embed></object></p>
<p>Tats&#228;chlich.</p>
<p>Die Original-Interviews, die f&#252;r dieses Video zusammengeschnipselt wurden, finden sich &#252;brigens <a href="http://www.bbc.co.uk/digitalrevolution/rushes.shtml" target="_blank">hier</a>.</p>
<p>(via <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2009/12/the_web_is_larg.php?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+thetechnium+%28The+Technium%29" target="_blank">kk.org</a>)</p>
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		<title>Kevin Kelly: Besser als kostenlos (&#8220;Better Than Free&#8221;)</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 06:59:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Geschäftsmodelle]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Free]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin Kelly]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Aufsatz &#8220;Better Than Free&#8221; des Wired-Herausgebers und Technologietheoretikers Kevin Kelly wurde zuerst im Januar 2008 ver&#246;ffentlicht. Mittlerweile ist er zu einem klassischen Text der Diskussion &#252;ber neue Gesch&#228;ftsmodelle in der digitalen Welt geworden und hat, unter vielen anderen, auch Chris Anderson beeinflusst, der sich in seinem Buch &#8220;Free&#8221; (kostenpflichtige Printausgabe, gratis Audiobook-Download) mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Aufsatz &#8220;<a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php " target="_blank">Better Than Free</a>&#8221; des Wired-Herausgebers und Technologietheoretikers <a href="http://www.kk.org/" target="_blank">Kevin Kelly</a> wurde zuerst im Januar 2008 ver&#246;ffentlicht. Mittlerweile ist er zu einem klassischen Text der Diskussion &#252;ber neue Gesch&#228;ftsmodelle in der digitalen Welt geworden und hat, unter vielen anderen, auch <a href="http://www.thelongtail.com/" target="_blank">Chris Anderson</a> beeinflusst, der sich in seinem Buch &#8220;Free&#8221; (kostenpflichtige <a href="http://www.hyperionbooks.com/titlepage.asp?ISBN=1401322905&amp;SUBJECT=Business" target="_blank">Printausgabe</a>, gratis <a href="http://www.wired.com/images/multimedia/free/FREE_Audiobook_unabridged.zip" target="_blank">Audiobook-Download</a>) mit dem gleichen Thema auseinandersetzt. Mit freundlicher Genehmigung von Kevin Kelly erscheint &#8220;Better Than Free&#8221; hier erstmals in deutscher &#220;bersetzung. </em><span id="more-389"></span></p>
<h2><strong>Kevin Kelly: Besser als kostenlos </strong></h2>
<p>Das Internet ist eine Kopiermaschine. Auf seiner grundlegendsten Ebene kopiert es jede Handlung die wir tun, jedes Zeichen und jeden Gedanken, den wir &#228;u&#223;ern, w&#228;hrend wir darin unterwegs sind. Wenn eine Nachricht von einem Winkel des Internets in einen anderen gesendet werden soll, erfordern die Kommunikationsprotokolle, dass die gesamte Nachricht unterwegs mehrmals kopiert wird. IT-Unternehmen verdienen gutes Geld mit dem Verkauf von Ger&#228;ten, die diese unabl&#228;ssigen Kopiervorg&#228;nge erm&#246;glichen und vereinfachen. Jedes Datenbit, das auf einem Computer produziert wird, wird irgendwo hinkopiert. Die digitale Wirtschaft wird von diesem Kopienstrom angetrieben. Im Unterschied zu den massengefertigten Reproduktionen des Maschinenzeitalters sind diese Kopien nicht nur billig, sondern kostenlos.</p>
<p>Unser digitales Kommunikationsnetzwerk ist darauf ausgerichtet, dem Flie&#223;en der Kopien so wenig Reibungswiderstand entgegenzusetzen wie m&#246;glich. Tats&#228;chlich flie&#223;en die Kopien so ungehindert, dass wir das Internet als einen Supraverteiler sehen k&#246;nnen, in dem eine Kopie, sobald sie einmal ins System eingebracht ist, endlos durch das Netzwerk flie&#223;t, so wie elektrischer Strom in einem Supraleiter. Die Auswirkungen k&#246;nnen wir in unserem t&#228;glichen Leben sehen: Wird ein kopierbarer Gegenstand mit dem Internet in Ber&#252;hrung gebracht, dann wird er kopiert, und diese Kopien lassen sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Jedes Kind wei&#223;, dass man etwas, das einmal ins Internet eingeflossen ist, nicht mehr l&#246;schen kann.</p>
<p>Dieser Supraverteiler ist zur Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands geworden. Die unmittelbare Vervielf&#228;ltigung von Daten, Ideen und Medien st&#252;tzt alle ma&#223;geblichen Sektoren der amerikanischen Wirtschaft, vor allem die exportorientierten – also diejenigen, in denen die USA einen Wettbewerbsvorteil haben. Unser Wohlstand basiert auf einem gewaltigen Apparat, der unterschiedslos und unentwegt Kopien erstellt.</p>
<p>Die letzte Wohlstandsperiode dieser Wirtschaft baute dagegen auf den Verkauf wertvoller Kopien, so dass das freie Flie&#223;en kostenloser Kopien die &#252;berkommene Ordnung zu untergraben droht. Wenn all unsere Arbeit kostenlos vervielf&#228;ltigt werden kann, wie soll es dann weitergehen? Wie, um es auf den Punkt zu bringen, kann man mit dem Verkauf kostenloser Kopien Geld verdienen?</p>
<p>Auf diese Frage habe ich eine Antwort. Am einfachsten l&#228;sst sie sich so formulieren:</p>
<p>Wenn Kopien im &#220;berfluss verf&#252;gbar sind, werden sie wertlos.</p>
<p>Wenn Kopien im &#220;berfluss verf&#252;gbar sind, wird das Unkopierbare knapp und wertvoll.</p>
<p><strong>Wenn Kopien kostenlos verf&#252;gbar sind, muss man Unkopierbares verkaufen.</strong></p>
<p>Aber was ist unkopierbar?</p>
<p>Es gibt eine Reihe von unkopierbaren Werten: Vertrauen zum Beispiel. Vertrauen kann nicht kopiert werden. Man kann es nicht kaufen. Vertrauen muss man sich verdienen, &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum. Man kann es auch nicht downloaden. Oder f&#228;lschen. Oder vort&#228;uschen (zumindest nicht auf Dauer). Wenn alle anderen Bedingungen gleich sind, wird man stets lieber mit jemandem einen Handel eingehen, dem man vertrauen kann. Daher ist Vertrauen etwas Immaterielles, das in einer kopienges&#228;ttigten Welt mehr und mehr an Wert gewinnt.</p>
<p>Neben Vertrauen gibt es zahlreiche &#228;hnliche Werte, die schwer kopierbar und daher in unserer Netz&#246;konomie zunehmend wertvoll werden. Mir scheint, dass man sie am besten untersuchen kann, wenn man nicht aus der Perspektive des Produzenten, Herstellers oder Urhebers auf sie blickt, sondern aus der des Verbrauchers. Man kann mit einer einfachen Verbraucherfrage beginnen: Warum sollten wir eigentlich f&#252;r etwas zahlen, das wir kostenlos haben k&#246;nnen? Wenn man eine Kaufversion eines Gegenstands erwirbt, den man auch kostenlos haben k&#246;nnte, was genau kauft man da eigentlich?</p>
<p>Meine Besch&#228;ftigung mit der Netz&#246;konomie hat mir acht Kategorien von immateriellen Werten aufgezeigt, die wir kaufen, wenn wir f&#252;r etwas Geld ausgeben, das auch kostenlos verf&#252;gbar w&#228;re.</p>
<p>Diese acht Dinge sind ganz buchst&#228;blich besser als kostenlos. Acht unkopierbare Werte, die ich als &#8220;Generative&#8221; bezeichnen will. Ein &#8220;generativer&#8221; Wert ist eine Eigenschaft oder ein Attribut, das generiert werden muss, also herangezogen, kultiviert, gehegt. Ein Generativ kann nicht kopiert, geklont, gefaked, vervielf&#228;ltigt, gef&#228;lscht oder nachgemacht werden. Es wird auf eigene Weise generiert, vor Ort und &#252;ber l&#228;ngere Zeit. In der digitalen Welt f&#252;gen generative Eigenschaften kostenlosen Kopien Wert hinzu – dadurch lassen sie sich verkaufen.</p>
<p><strong>Besser als kostenlos: die acht Generative</strong></p>
<p><strong>Unmittelbarkeit</strong>: Fr&#252;her oder sp&#228;ter kann man alles als Kopie finden, aber eine Kopie im Moment ihres Erscheinens – oder noch besser: ihrer Entstehung – auf den Tisch zu bekommen, darin liegt ein generativer Vorteil. Viele Leute gehen zur Filmpremiere ins Kino, wo man einen saftigen Preis daf&#252;r zahlt, einen Film zu sehen, den man zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt kostenlos oder beinahe kostenlos ausleihen oder downloaden k&#246;nnte. Gebundene B&#252;cher kosten mehr, weil sie als erste verf&#252;gbar sind – auch wenn sie diesen Vorzug als Bindungsart maskieren. Um der erste zu sein, muss man oft f&#252;r dasselbe Produkt einen h&#246;heren Preis zahlen. Als verk&#228;ufliche Qualit&#228;t hat die Unmittelbarkeit verschiedene Ebenen, darunter den Zugang zu Beta-Versionen. Damit werden Anh&#228;nger eines Produkts selbst in den generativen Prozess eingebunden. Beta-Versionen gelten oft als weniger wertvoll, weil sie unvollst&#228;ndig sind, aber sie besitzen gleichzeitig verk&#228;ufliche generative Eigenschaften. Unmittelbarkeit ist immer relativ – deshalb ist sie generativ. Sie muss zum Produkt ebenso passen wie zur Zielgruppe. Blogs unterliegen einem anderen Zeitgef&#252;hl als Filme oder Autos. Aber letztlich hat jedes Medium seine Unmittelbarkeit.</p>
<p><strong>Personalisierung</strong>: Die allgemeine Version eines Konzertmitschnitts mag kostenlos zu haben sein, aber wenn man eine Kopie haben m&#246;chte, die darauf abgestimmt ist, im eigenen Wohnzimmer ein perfektes Klangerlebnis zu bieten – so als w&#228;re das Konzert eben dort aufgef&#252;hrt worden – w&#228;re man vielleicht bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Das kostenlose Exemplar eines Buches kann vom Verlag nach Ma&#223; redigiert werden, so dass es sich in die eigene Leseerfahrung einpasst. Damit man einen kostenlosen Film kauft, kann er geschnitten und den eigenen Sehvorlieben angepasst werden (etwa ohne Gewaltdarstellung, aber mit Kraftausdr&#252;cken). Aspirin ist kostenlos, aber Aspirin, das f&#252;r die eigene DNA optimiert ist, ist sehr teuer. Es ist oft angemerkt worden, dass Personalisierung eine l&#228;ngere Abstimmung zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher, dem K&#252;nstler und seinem Fan, dem Produzenten und dem Nutzer erfordert. Personalisierung ist zutiefst generativ, weil sie wiederholungsintensiv und zeitaufwendig ist. Die Personalisierung, die sich in einer Beziehung niederschl&#228;gt, ist unkopierbar. Im Marketing nennt man dies &#8220;Stickiness&#8221; – &#8220;Haftkraft&#8221;. Denn es bedeutet, dass beide Parteien diesem generativen Vorteil verhaftet sind (sich darin einbringen) und deshalb ungern die Beziehung abbrechen, um anderswo neu anzukn&#252;pfen.</p>
<p><strong>Interpretation</strong>: Ein alter Witz geht so: Software kostenlos – Benutzerhandbuch 10.000 Dollar. Aber das ist kein Witz. Ein ganze Reihe prominenter Unternehmen wie Red Hat, Apache und viele andere verdienen ihr Geld auf genau diese Weise. Sie bieten gegen Bezahlung Support f&#252;r die kostenlose Software. Die Kopie des Softwarecodes, die reinen Bits, sind kostenlos – und werden f&#252;r den Nutzer erst durch Support und Anleitung wertvoll. Ich vermute, dass dieses Modell in Zukunft auch f&#252;r genetische Informationen gelten wird. Momentan ist es noch sehr teuer, eine Kopie seines DNA-Codes zu bekommen, doch das wird sich &#228;ndern. Bald schon werden Pharma-Unternehmen die Verbraucher daf&#252;r bezahlen, dass sie ihre Gene sequenzieren lassen. Die Kopie der eigenen Gensequenz wird man also kostenlos bekommen k&#246;nnen, aber ihre Interpretation: was diese Sequenz bedeutet, was f&#252;r Folgen sich daraus ergeben und wie man sich darauf einstellen kann – sozusagen das Benutzerhandbuch f&#252;r die eigenen Gene – wird einen hohen Preis haben.</p>
<p><strong>Authentizit&#228;t</strong>:<strong> </strong>Schon m&#246;glich, dass man eine wichtige Software kostenlos haben kann, doch selbst wenn man kein Benutzerhandbuch braucht, will man vielleicht sicherstellen, dass die Software fehlerfrei, zuverl&#228;ssig und garantiert echt ist. F&#252;r Authentizit&#228;t ist man bereit zu zahlen. Es gibt eine un&#252;berschaubare Anzahl von Varianten der Jams der Grateful Dead. Doch wenn man eine authentische Version bei der Band selbst kauft, dann kann man sicher sein, dass man das bekommt, was man wirklich haben will – und dass wirklich die Grateful Dead den Jam eingespielt haben. K&#252;nstler hatten von alters her mit diesem Problem zu k&#228;mpfen. Grafische Reproduktionen, etwa Fotografien oder Lithographien, tragen oft einen K&#252;nstlerstempel, eine Art Signatur, die Authentizit&#228;t behauptet, so dass einen h&#246;herer Preis f&#252;r die Kopie verlangt werden kann. Digitale Wasserzeichen und andere Signaturtechnologien werden als Antikopierma&#223;nahmen wirkungslos sein (sind Kopien doch supraleitende Fl&#252;ssigkeiten), aber sie k&#246;nnen dem, der Wert darauf legt, die generative Eigenschaft Authentizit&#228;t vermitteln.</p>
<p><strong>Zug&#228;nglichkeit</strong>: Besitz ist oft nervig: Man muss seine Dinge sauber und aktuell halten und sich – sofern es sich um digitale Gegenst&#228;nde handelt – um Sicherungskopien k&#252;mmern. Und in der mobilen Welt, in der wir leben, muss man ihn &#252;berall hin mitschleppen. Viele Leute, und ich selbst geh&#246;re dazu, w&#228;ren vollauf gl&#252;cklich, wenn andere sich um unsere &#8220;Besitzt&#252;mer&#8221; k&#252;mmern w&#252;rden, und wir sie lediglich abonnierten. Wir w&#252;rden gern Geld an ein fantastisches Unternehmen, nennen wir es Acme Digital Warehouse, zahlen, damit es uns jede Melodie dieser Welt bereitstellt, wann und wo wir wollen – und auch jeden Film und jedes Foto (egal ob von uns selbst oder von einem anderen aufgenommen) sowie jedes Buch und jeden Blog. Acme w&#252;rde von allem Sicherungskopien erstellen, die Urheber entlohnen und uns liefern, was wir Lieben: auf unsere Telefone, PDAs, Laptops, Gro&#223;bildschirme, ganz egal. Dass das meiste auch kostenlos zu haben sein wird – wenn wir es denn auf uns nehmen wollen, es selbst zu pflegen, zu erweitern, zu ordnen und Sicherungskopien anzulegen – wird mit der Zeit immer weniger verlockend sein.</p>
<p><strong>Verk&#246;rperung</strong>: Im Grunde sind digitale Kopien k&#246;rperlos. Man kann eine kostenlose Kopie eines Werkes auf eine Leinwand projizieren. Doch wenn man es lieber hochaufl&#246;send auf Gro&#223;leinwand s&#228;he? Oder gar in 3D? An PDF-Dokumenten ist nichts auszusetzen, aber manchmal ist es ein gro&#223;es Vergn&#252;gen, dieselben W&#246;rter auf strahlendwei&#223;em watteweichen Papier gedruckt und in Leder gebunden zu sehen. Das liegt so angenehm in der Hand. Und wenn man, w&#228;hrend man in sein (kostenloses) Lieblingsgame vertieft ist, mit f&#252;nfunddrei&#223;ig anderen Gamern in einem Raum sitzen k&#246;nnte? Eine intensivere Verk&#246;rperung l&#228;sst sich auf unz&#228;hlige Arten erreichen. Zwar kann das, was heute noch HD-Qualit&#228;t ist und die Leute ins Kino lockt, schon morgen seinen Weg ins heimische Wohnzimmer finden, aber es wird immer neue &#252;berw&#228;ltigende Vorf&#252;hrungstechnologien geben, die noch nicht bei Endverbrauchern angekommen sind. Laserprojektionen, Holografie, ja selbst das Holodeck. Und nichts wird so intensiv verk&#246;rpert wie Musik bei einem live Konzert von echten Menschen. Die Musik ist kostenlos; die k&#246;rperliche Auff&#252;hrung kostspielig. Dieses Schema setzt sich mehr und mehr durch, nicht nur bei Musikern, sondern auch bei Schriftstellern. Das Buch ist kostenlos – die Lesung oder der Vortrag sind kostspielig.</p>
<p><strong>Patronage</strong>: Ich glaube, dass das Publikum die Urheber bezahlen <em>m&#246;chte</em>. Fans m&#246;chten ihren K&#252;nstlern, Musikern, Schriftstellern usw. ein Zeichen ihrer Wertsch&#228;tzung geben, denn das erm&#246;glicht ihnen, mit diesen in Beziehung zu treten. Aber zahlen werden sie nur, wenn der Zahlungsvorgang keinerlei Umst&#228;nde macht, wenn der Betrag angemessen ist und sie sich sicher sein k&#246;nnen, dass das Geld unmittelbar den Urhebern zugute kommt. Die Band Radiohead hat k&#252;rzlich in einem weithin beachteten Experiment die Fans selbst entscheiden lassen, wie viel sie f&#252;r eine kostenlose Kopie zahlen wollten – das ist ein Paradebeispiel f&#252;r die Bedeutung von Patronage. Die fl&#252;chtige, schwer zu fassende Beziehung, die sich zwischen Anerkennung zollenden Fans und K&#252;nstlern entfaltet, hat einen Wert. Im Falle von Radiohead einen Wert von rund f&#252;nf Dollar je Download. Es lie&#223;en sich zahlreiche weitere Beispiele daf&#252;r finden, dass das Publikum zahlt, weil es sich gut anf&#252;hlt, zu zahlen.</p>
<p><strong>Auffindbarkeit</strong>: W&#228;hrend die zuvor aufgez&#228;hlten Generative in den digitalen Kunstwerken selbst liegen, ist Auffindbarkeit etwas, das sich auf einer &#252;bergeordneten Ebene eine Rolle spielt, n&#228;mlich bei der Anh&#228;ufung zahlreicher Werke. Ein Preisschild mit einer Null darauf f&#252;hrt nicht dazu, dass ein Werk Beachtung findet – manchmal sogar zum Gegenteil. Aber ganz unabh&#228;ngig vom Preis ist ein unbeachtetes Werk wertlos; unauffindliche Meisterwerke haben keinen Wert. Wo es Millionen B&#252;cher, Millionen Songs, Millionen Filme, Millionen Softwareprogramme, Millionen von allem, das unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, gibt – und das meiste davon kostenlos – ist es wertvoll, auffindbar zu sein.</p>
<p>Die gro&#223;en Aggregatoren wie Amazon und Netflix verdienen ihr Geld zum Teil damit, dass sie den Kunden dabei helfen, die Werke zu finden, die sie sch&#228;tzen. Sie bringen das Gute am &#8220;Long Tail&#8221;-Effekt zur Geltung, der bekanntlich darin besteht, ein Nischenpublikum mit einem Nischenprodukt in Beziehung zu setzen. Doch leider hat der &#8220;Long Tail&#8221; nur f&#252;r die Riesenaggregatoren und die gr&#246;&#223;eren Aggregatoren auf der Zwischenebene, wie Verlage, Filmstudios und Plattenlabels ein Gutes. F&#252;r die Urheber selbst bringt der &#8220;Long Tail&#8221; nicht viel. Doch da Auffindbarkeit sich erst auf der Systemebene abspielt, sind Urheber auf Aggregatoren angewiesen. Deswegen werden Verlage, Filmstudios und Plattenlabels (kurz: VFP) nie von der Bildfl&#228;che verschwinden. F&#252;r den Vertrieb, daf&#252;r, die Kopien auszuteilen, sind sie nicht notwendig (daf&#252;r sorgt die Netzmaschine). Aber die VFP sind notwendig, um die Aufmerksamkeit der Nutzer den einzelnen Werken zuzuteilen. Aus einem Ozean von M&#246;glichkeiten w&#228;hlen die VFP Werke aus, f&#246;rdern und verfeinern sie – Werke von Urhebern, von denen sie glauben, dass sie die Fans ansprechen werden. Auch andere Vermittler, wie Kritiker und Rezensenten lenken die Aufmerksamkeit. Fans greifen auf diesen vielschichtigen Auffindbarkeitsapparat zur&#252;ck, um aus den Myriaden von Werken das Wertvolle herauszufinden. Es steckt Geld darin, Talente zu entdecken (mittelbar auch f&#252;r die Urheber). Viele Jahre lang hat die Programmzeitschrift &#8220;TV Guide&#8221; mehr Geld eingespielt als die drei gro&#223;en Sendergruppen, deren Programm sie listete, zusammengenommen. Die Zeitschrift nahm die Fernsehzuschauer an der Hand und zeigte ihnen, was es diese Woche Gutes in der Glotze gab. Und das war ja f&#252;r die Zuschauer kostenlos verf&#252;gbar. Es besteht kaum Zweifel, dass in der Kostenloswelt neben den Mega-Aggregatoren viele VFP ihr Geld – zus&#228;tzlich zu den anderen Generativen – damit verdienen werden, dass sie Auffindbarkeit verkaufen.</p>
<p>Diese acht Eigenschaften erfordern neue Kenntnisse und F&#228;higkeiten. In der Welt der Kostenloskopien wird man seinen Erfolg nicht auf Distributionsf&#228;higkeiten aufbauen k&#246;nnen, denn f&#252;r Vertrieb und Verbreitung wird die Gro&#223;e Kopiermaschine sorgen. Auch juristische F&#228;higkeiten im Umgang mit geistigem Eigentum und Copyright werden nicht mehr von Nutzen sein. Genauso wenig wie Kenntnisse im Horten und Verknappen. Stattdessen erfordern diese acht neuen Generative ein Verst&#228;ndnis daf&#252;r, wie &#220;berfluss zu einer Mentalit&#228;t des Teilens f&#252;hrt, wie Gro&#223;z&#252;gigkeit zum Gesch&#228;ftsmodell wird, wie wichtig es geworden ist, Dinge zu kultivieren und zu f&#246;rdern, die nicht mit einem Mausklick vervielf&#228;ltigt werden k&#246;nnen.</p>
<p>Kurzum, das Geld generieren in dieser Netz&#246;konomie nicht Kopien. Aufmerksamkeit generiert Geld, und Aufmerksamkeit folgt ihren eigenen Regeln.</p>
<p>Achtsamen Lesern wird aufgefallen sein, dass eines bisher nicht erw&#228;hnt wurde: Ich habe nicht von Werbung gesprochen. Werbung gilt weithin als die L&#246;sung, ja beinahe als die <em>einzige</em> L&#246;sung, f&#252;r die Paradoxie des Kostenlosen. Die meisten Vorschl&#228;ge, die ich bislang zur &#220;berwindung des Kostenlosen geh&#246;rt habe, gehen auf die eine oder andere Art von Werbung aus. Ich bin der Meinung, dass Werbung lediglich eine bestimmte Ausformung von Aufmerksamkeit ist, und langfristig wird sie nur ein Teil der neuen Arten sein, Geld zu verdienen, indem man Kostenloses verkauft. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Unter der schaumigen Oberfl&#228;che der Werbung werden diese acht Generative den allgegenw&#228;rtigen kostenlosen Kopien einen Wert geben und es lohnend werden lassen, f&#252;r sie zu werben. Diese Generative sind auf alle digitalen Kopien anwendbar, aber auch auf all die Kopien, deren Grenzkosten gegen null tendieren. (Mehr dazu in meinem Aufsatz &#8220;<a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2007/11/technology_want.php" target="_blank">Technology Wants to Be Free</a>&#8220;). Auch Industrien, die materielle G&#252;ter produzieren, sehen sich zunehmend in einer Situation wo die Kosten f&#252;r die Vervielf&#228;ltigung sich an null ann&#228;hern, so dass auch diese sich wie digitale Kopien verhalten werden. Dies ist seit Kurzem bei Landkarten der Fall. Bald wird es auch in der Genetik so sein. Kleinger&#228;te und Apparate, zum Beispiel Handys, befinden sich auf dem Weg dahin. Die pharmazeutische Industrie ist bereits an diesem Punkt, will es aber geheim halten. Eine Pille herzustellen, kostet nichts. Bei Arzneimitteln zahlen wir f&#252;r Authentizit&#228;t und Unmittelbarkeit. Und eines Tages werden wir f&#252;r Personalisierung zahlen.</p>
<p>Die Generative zu unterhalten ist sehr viel aufwendiger, als in einer Fabrik Kopien zu fertigen. Es gibt noch viel zu lernen, viel herauszufinden.</p>
<p>Ver&#246;ffentlicht am 31. Januar 2008.<br />
<em>Deutsche &#220;bersetzung von Thomas Rohde am 24. August 2009.</em></p>
<p><em>Im letzten Satz der englischen Version seines Aufsatzes fordert Kevin Kelly seine Leser auf, mit ihm &#252;ber seine Thesen in Diskussion zu treten. Unter den zahlreichen <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php#comments" target="_blank">Leserkommentaren</a>, die sich auf Kevin Kellys Blog angesammelt haben, finden sich viele streitbare und interessante Positionen. Unter anderem Vorschl&#228;ge f&#252;r weitere Generative wie Gemeinschaft und Nutzerfreundlichkeit. Um zu dieser Diskussion beizutragen, schlage ich vor, eventuelle Kommentare zu Kellys Thesen <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php#comments" target="_blank">dort</a> einzubringen (auch wenn Kommentare nat&#252;rlich auch hier willkommen sind).</em></p>
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