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	<title>bewegliche lettern &#187; Medienwandel Archiv  &#8211; bewegliche lettern</title>
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		<title>Libroid &#8211; Jürgen Neffe präsentiert seine &#8220;Zukunft des Lesens&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 18:46:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jürgen Neffe stellte heute Nachmittag im Roten Salon der Berliner Volksbühne sein &#8220;Libroid&#8221; der Öffentlichkeit vor. &#8220;Libroid&#8221; nennt er seine Version eines multimedialen, interaktiven digitalen Buches, das vor allem mit einer Offenheit für Beiträge, Kommentare und Ergänzungen durch die Leser punkten kann. Es musste dann doch etwas statischer bleiben, als ursprünglich gedacht. Jürgen Neffe, Sachbuchautor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jürgen Neffe stellte heute Nachmittag im Roten Salon der Berliner Volksbühne sein &#8220;Libroid&#8221; der Öffentlichkeit vor. &#8220;Libroid&#8221; nennt er seine Version eines multimedialen, interaktiven digitalen Buches, das vor allem mit einer Offenheit für Beiträge, Kommentare und Ergänzungen durch die Leser punkten kann. <span id="more-878"></span></p>
<p>Es musste dann doch etwas statischer bleiben, als ursprünglich gedacht. Jürgen Neffe, <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/22530/Juergen_Neffe.html" target="_blank">Sachbuchautor</a> von Rang und nun auch Leiter des &#8220;<a href="http://libroid.com/die-idee/" target="_blank">Verlags der ungedruckten Bücher</a>&#8220;, hatte sein Jackett wohl vor Aufregung einmal zuviel aus- und wieder angezogen und dabei das drahtlose Mikrofon an seinem Revers beschädigt. So konnte er sich bei der Präsentation des Libroids nicht frei auf der Bühne bewegen, sondern musste am Standmikrofon seines Rednerpults bleiben.</p>
<p>Beides, eine gewisse Distanz dem technischen Substrat gegenüber und eine herabgedämpfte Dynamik sind auch bei seinem Libroid Programm. Neffe hatte vor rund eineinhalb Jahren in der Zeit einen aufregenden, enthusiastischen und inspirierten <a href="http://www.zeit.de/2009/18/L-Buch" target="_blank">Artikel</a> über die digitalen Möglichkeiten des Buches geschrieben, den man noch heute jedem Buchmenschen zur wöchentlichen Wiederlektüre ans Herz legen will – ein großartiger, von Aufbruchstimmung getragener Text. Für den Neffe sich damals einige Kritik gefallen lassen musste.</p>
<p>Wer diesen Geist im Libroid wiederzufinden hofft, muss sich vorerst mit Pragmatischerem zufrieden geben. So weit, wie Neffe in der Theorie vorausgedacht hat, hat er sich selbst in der Praxis nicht einholen können. Neffe präsentierte eine elegante, wenn auch im Prototyp noch etwas hakelige, iPad-Version seines eigenen <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/30643.html" target="_blank">Darwin-Buches</a>, mit dem er die Grundstruktur und den Proof of Concept seines Libroids vorlegte. Je nach Ausrichtung des Geräts bekommt der Leser entweder den unangereicherten Text oder, in dreispaltiger Darstellung, den Text flankiert von einer Bildleiste zur Linken und einer Linkleiste zur Rechten zu sehen.</p>
<p>Der Text ist dabei stets ruhig in der Mitte, im Zentrum des Blickfelds. Er wird gescrollt, nicht geblättert. Die rechten und linken Spalten vergleicht Neffe mit den Instrumenten im Armaturenbrett eines Autos, die der Fahrer aus dem Augenwinkel wahrnehmen kann, ohne vom Blick durch die Frontscheibe abgelenkt zu werden. Denen er aber auch – wenn die Situation es zulässt – mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen kann. Eine einleuchtende Mechanik hinter den Kulissen dieser dreispaltigen Darstellung sorgt dafür, dass die Bildleiste und die Link-Leiste (die etwa auf Quellentexte und Metatexte verweist) stets auf der Höhe des Textes sind.</p>
<p>Die Trennung dieser Anreicherungselemente vom eigentlichen Text gewährleistet auch, dass diese Elemente ohne Eingriffe in den Text vermehrt oder vermindert werden können. Interessant wird dies durch die Möglichkeit, dass Leser weitere Elemente in diese Leisten einklinken können. Das Lesen wird dadurch sozial: Der einzelne Leser kann seine Ergänzungen und Kommentare mit allen anderen Lesern des gleichen Libroids teilen. Die anderen Leser können sich von Fall zu Fall entscheiden, ob sie die jeweiligen Elemente in ihr Libroid aufnehmen wollen oder nicht. Diese soziale Dimension des Libroids, Neffe spricht von &#8220;globalen virtuellen Leseclubs&#8221;, ist zweifellos der stärkste innovative Gedanke seines digitalen Buches. Leider wurde dieser Aspekt nicht demonstriert, sondern nur erläutert – das weckt die Neugier auf mehr.</p>
<p>Die ganz große Revolution des digitalen Buches bleibt mit dem Libroid aus. Es macht, anders als Neffes Zeit-Artikel, eher einen konservativen, ja defensiven Eindruck. Unumwunden gibt Neffe zu, dass sein Libroid &#8220;aus Sorge um die Zukunft des Buches&#8221; entstanden sei. In seiner Presseerklärung herrscht dann auch ein eher nicht fortschrittsoptimistischer Ton: Da ist die Rede von der &#8220;Würde und Klarheit des Buches&#8221; die vom &#8220;multimedialen Geflacker&#8221; bedroht sei. Er formuliert dort, dass das &#8220;Libroid als […] Reaktion auf die digitale Revolution zu verstehen&#8221; sei. Wer den Zeit-Artikel gelesen hat, wird Neffe nun nicht verdächtigen, dass er den Metternich dieser Reaktion geben will. Dennoch, man hätte mehr Offenheit und Optimismus erhoffen können. Auch in Hinblick auf die Frage des Geistigen Eigentums, die im Zeit-Artikel eine bedeutende Rolle spielt, bei der Präsentation des Libroids aber kaum thematisiert wurde.</p>
<p>Das auf Neffes Darwin-Buch basierte Prototyp-Libroid macht durchaus Lust zu lesen. Es wird – sofern Apple mitspielt – in Kürze als iPad-App für EUR 7,99 zu haben sein, später auch als Android-App. Neffe kalkuliert, dass bei einem herkömmlichen Autoren-Honorarsatz von ca. 12% die Kosten selbst des entwicklungsintensiven Prototypen nach 25.000 Verkäufen eingespielt sein werden. Da das Libroid seinen Text in mehreren Sprachversionen enthalten wird (der Prototyp in Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch), erscheint diese Verkaufserwartung zwar hochgegriffen, aber bei weltweitem Verkauf nicht grundsätzlich unerreichbar. Spätere Libroide, für die die Entwicklungskosten geringer ausfallen werden als für den Prototyp, sollen nach Neffes Rechnung bereits bei 12.000 bis 15.000 verkauften Exemplaren lukrativ sein – was allein angesichts der hohen Übersetzungskosten für die verschiedenen Sprachversionen optimistisch zu sein scheint.</p>
<p>Der vorgestellte Prototyp des Libroids ist eine Adaption eines vorliegenden Textes, zudem eines Sachtextes, der sich – anders als die meisten belletristischen Texte – in besonderem Maße für multimediale Anreicherungen eignet. In Zukunft kann man aber auf geborene Libroide hoffen. – Gut möglich, dass diese mit der technischen Grundstruktur des Libroids mehr anfangen können und werden, als eine doch etwas statische Anreicherung mit Bildmaterial und Links zu liefern. Man würde es sich wünschen, vor allem nach einer Re-Lektüre des Zeit-Artikels. Vielleicht liefert Neffe solch ein geborenes Libroid ja selbst mit seinem in jenem Artikel angekündigten und in der Präsentation wieder aufgegriffenen Gedanken eines &#8220;runden Buches&#8221; ohne Anfang und Ende. &#8211; Gespannt bleiben darf man nach dieser Präsentation alle Male, und neugierig darauf, die Libroid-App ausführlich testen zu können auch.</p>
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		<title>Literatur und Animated Typography</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 21:03:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesenswert]]></category>
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		<category><![CDATA[Animated Typography]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Lesehinweis in eigener Sache: Der Perlentaucher bringt heute einen Essay von mir unter dem Titel &#8220;Tanz der Lettern&#8221;. Ich schlage darin vor, in der Remix-Kunst der Animated Typography ein Beispiel dafür zu sehen, wie Literatur von den neuen digitalen Möglichkeiten ästhetisch und expressiv profitieren kann &#8211; ohne ihre Bindung an Sprache aufzugeben und zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Lesehinweis in eigener Sache: Der Perlentaucher bringt heute einen <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/6215.html" target="_blank">Essay</a> von mir unter dem Titel &#8220;Tanz der Lettern&#8221;. Ich schlage darin vor, in der Remix-Kunst der Animated Typography ein Beispiel dafür zu sehen, wie Literatur von den neuen digitalen Möglichkeiten ästhetisch und expressiv profitieren kann &#8211; ohne ihre Bindung an Sprache aufzugeben und zum Video oder Computerspiel zu tendieren.</p>
<p><span id="more-859"></span></p>
<blockquote><p>Während damit experimentiert wird, Bücher mit Videoclips anzureichern, sie mit Soundtracks zu unterlegen oder mit Videospiel­-Elementen zu versehen, ist eine entscheidende &#8211; und der Literatur vielleicht besonders gerechte &#8211; Möglichkeit bisher kaum beachtet worden: Die Lettern können endlich beweglich werden, die Wörter Laufen lernen.</p></blockquote>
<p>Den Rest des Artikels gibt&#8217;s <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/6215.html" target="_blank">hier</a>.</p>
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		<title>CoverSpy deckt Leseverhalten von Großstadtmenschen auf</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 16:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Allenthalben wird in der Digitalisierung eine Gefahr für die Privatsphäre gesehen. Doch eine Initative des New Yorker Literaturmagazins Slice macht nun deutlich: Die zunehmende Ausbreitung von eReadern bedroht nicht die Intimsphäre der Leser, sondern den Voyeurismus des gemeinen U-Bahnpassagiers. Auf der Website CoverSpy und dem angeschlossenen Twitter-Account spähen Slice-Mitarbeiter systematisch die Lesegewohnheiten argloser New Yorker [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Allenthalben wird in der Digitalisierung eine Gefahr für die Privatsphäre gesehen. Doch eine Initative des New Yorker Literaturmagazins <a href="http://www.slicemagazine.org/" target="_blank"><em>Slice</em></a> macht nun deutlich: Die zunehmende Ausbreitung von eReadern bedroht nicht die Intimsphäre der Leser, sondern den Voyeurismus des gemeinen U-Bahnpassagiers. Auf der Website <a href="http://coverspy.tumblr.com/" target="_blank">CoverSpy</a> und dem angeschlossenen <a href="http://twitter.com/coverspy" target="_blank">Twitter-Account</a> spähen Slice-Mitarbeiter systematisch die Lesegewohnheiten argloser New Yorker in der U-Bahn aus. <span id="more-710"></span></p>
<p>Wenig ist verräterischer als das Cover des Buches, das ein Mensch in der Öffentlichkeit liest. Der Steppenwolf: &#8220;Pubertät hält an&#8221;, Molloy: &#8220;interessant mit Hang zum Poser&#8221;, Die Säulen der Erde: &#8220;nennt sich selbst Leseratte, stolz, keine Angst vor dicken Büchern zu haben&#8221;,  Warum Männer nicht zuhören und Frauen&#8230;: &#8220;zu lange in einer Beziehung, unleidlich&#8221;, Scarlett: &#8220;Eieiei&#8221;. Die Botschaft, die der Lesestoff über den öffentlichen Leser mitteilt, schwankt zwischen bewusstem Statement und naiv zugelassenem Einblick mit Tiefenwirkung. Das Cover des in der Öffentlichkeit aufgeschlagenen Buches ist halb Statussymbol, halb entschlüpftes Bekenntnis. Die Reaktion der Umwelt liegt entsprechend den eigenen Vorlieben zwischen Fremdscham und Annäherungsversuch.</p>
<p>Mit dem Aufkommen von eReadern fürchten die Cover Spies um diese indiskreten und reizvollen Einblicke ins Wesen ihrer Mitmenschen: Die einförmige, opake Rückseite der digitalen Lesegeräte lässt nicht mehr ahnen, in welche Leselandschaften die Augen des Passagiers gegenüber versunken sind. Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, twittern die urbanen Agenten nun, was die Passagiere und Passanten lesen, und fügen noch einige Details über Kleidung und Habitus der Zielperson hinzu. Das sieht dann etwa so aus:</p>
<blockquote><p>East of Eden, John Steinbeck (M, 20s, curly hair/Dave Eggers look alike, Q train at 55th St.) <a rel="http://bit.ly/plugins/iframe?hashUrl=http%3A%2F%2Fbit.ly%2F9MfIZr" href="http://bit.ly/9MfIZr" target="_blank">http://bit.ly/9MfIZr</a> <a title="#coverspy" href="http://twitter.com/search?q=%23coverspy">#coverspy</a></p>
<p>Extremely Loud and Incredibly Close, Jonathan Safran Foer (F, 20s, shiny black headband, F train) <a rel="http://bit.ly/plugins/iframe?hashUrl=http%3A%2F%2Fbit.ly%2FcygAhH" href="http://bit.ly/cygAhH" target="_blank">http://bit.ly/cygAhH</a> <a title="#coverspy" href="http://twitter.com/search?q=%23coverspy">#coverspy</a></p></blockquote>
<p>Auf diese Weise wollen die Betreiber von CoverSpy ein wenig der flüchtigen Intimität unter anonymen Passanten bewahren. In der Ausbreitung der eReader liegt für sie kein Fortschritt, sondern soziale Kälte. Cnet <a href="http://news.cnet.com/8301-13577_3-10449950-36.html" target="_blank">zitiert</a> die CoverSpy-Gründerin Amy Sly wie folgt:</p>
<blockquote><p>&#8220;We were lamenting the prevalence of e-readers spotted on our train rides and what a bleak commute it would be if all of the book covers were replaced with blank e-reader covers,&#8221; Sly said of the project&#8217;s beginnings last October. &#8220;For one thing, it&#8217;s always been fun to see what everyone&#8217;s reading around you&#8211;and it&#8217;s especially interesting how they&#8217;re not always the books that are making headlines at the moment. And also because we each had a story about a time a conversation started with someone we didn&#8217;t know because of the books we were holding in our hands.&#8221;</p></blockquote>
<p>CoverSpy will seinen Dienst zukünftig auf weitere Städte ausdehnen. Sind wir dann hier noch sicher? Wir raten zu Desinformation: So ein Molloy-Umschlag passt auch trefflich auf manche mindere Ware. Die Dinger heißen nicht umsonst Schutzumschlag.</p>
<p>(via <a href="http://www.teleread.org/2010/02/09/coverspy-tweets-what-new-yorkers-read-on-the-train/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+teleread%2FKHnj+%28TeleRead%3A+Bring+the+E-Books+Home%29" target="_blank">Teleread</a>, <a href="http://news.cnet.com/8301-13577_3-10449950-36.html" target="_blank">cnet</a>)</p>
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		<title>BnF vs. DDB &#8211; 150 : 5</title>
		<link>http://bewegliche-lettern.de/2009/12/bnf-vs-ddb-150-5/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 23:43:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bibliotheken]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliothèque nationale de France]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Digitale Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Europeana]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit rhetorischem Pomp hat die Bundesregierung Anfang Dezember die Einrichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) angekündigt. Aus dem Konjunkturprogramm II lässt die Regierung dafür ab 2011 eine Anschubfinanzierung von €5 Mio springen, danach sollen Bund und Länder jährlich 2,6 Mio aufbringen. Jetzt legt Frankreich Zahlen für seine Digitalisierungsoffensive vor: Wie &#8220;The Bookseller&#8221; berichtet, sollen €750 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit rhetorischem Pomp hat die Bundesregierung Anfang Dezember die Einrichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) <a href="http://bewegliche-lettern.de/2009/12/nachgerechnet-das-jahrhundertprojekt-deutsche-digitale-bibliothek/" target="_blank">angekündigt</a>. Aus dem Konjunkturprogramm II lässt die Regierung dafür ab 2011 eine Anschubfinanzierung von €5 Mio springen, danach sollen Bund und Länder jährlich 2,6 Mio aufbringen. Jetzt legt Frankreich Zahlen für seine Digitalisierungsoffensive vor: Wie &#8220;The Bookseller&#8221; <a href="http://www.thebookseller.com/news/106725-france-to-spend-150m-on-library-digitisation-project.html.rss" target="_blank">berichtet</a>, sollen €750 Mio für die Digitalisierung von Kulturgut zur Verfügung gestellt werden, davon allein €150 Mio für die Bibliothèque nationale de France (BnF). Wie die deutsche soll auch die französische Digitalisierungsoffensive  zur gemeinsamen europäischen Digitalbibliothek <a href="http://www.europeana.eu/portal/aboutus.html" target="_blank">Europeana</a> beitragen.<span id="more-617"></span></p>
<p>Im direkten Vergleich ist die Summe, die die deutsche Regierung bereitstellen will, verschwindend klein. Aber der direkte Vergleich ist zugegebenermaßen nicht ganz fair. Denn die für die DDB genannte Investitionssumme soll im Unterschied zur französischen Investition gar nicht der Digitalisierung dienen, sondern der Einrichtung und dem Betrieb der zentralen Infrastruktur, die die digitalen Ressourcen von 30.000 öffentlichen Einrichtungen vernetzen soll.</p>
<p>Womit die Digitalisierung dieser digitalen Ressourcen in der deutschen Initiative  finanziert werden soll, bleibt bisher recht wolkig. Im wesentlichen scheint die Bundesregierung hierfür wie bisher die einzelnen Institutionen, die die DDB vernetzen soll, in der Pflicht zu sehen. Überdies soll die Zusammenarbeit mit privaten Geldgebern möglich sein. Etwa mit Google, wie das &#8220;Börsenblatt<em>&#8221; </em>recht plausibel <a href="http://www.boersenblatt.net/350168/" target="_blank">vermutet</a>. Die einschlägige Passage in den offiziellen <a href="http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/Medienpolitik/DeutscheDigitaleBibliothek/deutsche-digitale-bibliothek.html" target="_blank">Informationen</a> zur DDB lautet wie folgt:</p>
<blockquote><p><span>&#8220;Für die Digitalisierung von Kulturgut / wissenschaftlicher Information, die bisher weitgehend über die Etats der Kultur- / Wissenschaftseinrichtungen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert werden, sollen künftig auch private Geldgeber gewonnen werden.&#8221;</span></p></blockquote>
<p><span>Ehe dazu nicht genauere Informationen vorliegen, muss man fairerweise also die französischen €150 Mio eher deutschen €0 gegenüberstellen.  &#8211; Zumal auch die französischen Bibliotheken bei der Digitalisierung auf eine <a href="http://www.thebookseller.com/news/106049-france-set-on-massive-book-digitisation-project.html.rss" target="_blank">Zusammenarbeit</a> mit Google setzen. </span></p>
<p><span>Auch wenn man außer Acht lässt, dass eine konsequente Überführung von  Kulturgut von der Papier- in die digitale Welt kaum ohne <a href="http://www.theeuropean.de/rohde-thomas/digitalisierung-und-das-urheberrecht" target="_blank">Veränderungen</a> des Urheberrechts zu machen wäre: Selbst was urheberrechtsfreie und daher ohne großen Verwaltungsaufwand digitalisierbare Werke angeht,  ist die bisherige Bilanz eindeutig, wie ein paar unrepräsentative Suchen in der Europeana belegen:<br />
</span></p>
<ul>
<li><span> <a href="http://www.europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=joris-karl%20huysmans&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table" target="_blank">Joris-Karl Huysmans</a></span></li>
<li><a href="http://www.europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=%22Anatole%20France%22&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table" target="_blank"><span>Anatole France</span></a></li>
<li><span><a href="http://www.europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=Heinrich%20Heine&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table" target="_blank">Heinrich Heine</a><br />
</span></li>
<li><a href="http://www.europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=franz%20kafka&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table" target="_blank"><span>Franz Kafka</span></a></li>
<li><a href="http://europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=Kurt%20Tucholsky&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table" target="_blank"><span>Kurt Tucholsky</span></a></li>
<li><span><a href="http://europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=%22Carl%20von%20Ossietzky%22&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table" target="_blank">Carl von Ossietzky</a><br />
</span></li>
</ul>
<p><span>Reiche Beute bei französischen Autoren, Fehlanzeige bei deutschsprachigen: </span><span>Die BnF hat mit ihrem </span><span>großartigen, </span><span>seit 1997 laufenden <a href="http://gallica.bnf.fr/" target="_blank">Gallica</a>-Projekt schon jetzt sehr viel mehr zur Europeana beigesteuert als die deutschen Bibliotheken. Zu erwarten ist, dass sie diesen Vorsprung ausbauen wird. Für alle, denen Literatur am Herz liegt, ist die französische Investition sehr erfreulich. Ein Engagement von deutscher Seite, das wenigstens in der gleichen Liga spielt, wäre ebenso erfreulich.<br />
</span></p>
<p>Aber wie gesagt, der Vergleich ist nicht ganz fair. Und ausserdem war das Spielfeld uneben. Allez les bleus.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Verlage verzögern Ebooks, verzichten auf Kunden</title>
		<link>http://bewegliche-lettern.de/2009/12/verlage-verzoegern-ebooks-verzichten-auf-kunden/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 06:59:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Geschäftsmodelle]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach Simon &#38; Schuster und Hachette hat mit Harper Collins eine dritte Verlagsgruppe angekündigt, Ebook-Ausgaben erst mit einigen Monaten Verzögerung nach der Hardcover-Ausgabe auf den Markt zu bringen. Ziel dieser Strategie ist, die hohen Preise für Hardcover-Ausgaben (im Schnitt $27) vor der Konkurrenz durch die von Amazon für $9,99 angebotenen digitalen Ausgaben zu schützen. Den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Simon &amp; Schuster und Hachette hat mit Harper Collins eine dritte Verlagsgruppe <a href="http://www.engadget.com/2009/12/11/harpercollins-now-also-thumbing-nose-at-e-book-industry-with-dig/" target="_blank">angekündigt</a>, Ebook-Ausgaben erst mit einigen Monaten Verzögerung nach der Hardcover-Ausgabe auf den Markt zu bringen. Ziel dieser Strategie ist, die hohen Preise für Hardcover-Ausgaben (im <a href="http://www.boersenblatt.net/350134/" target="_blank">Schnitt</a> $27) vor der Konkurrenz durch die von Amazon für $9,99 angebotenen digitalen Ausgaben zu schützen. Den Erwartungen der Leser schlägt das ins Gesicht. Keine gute Idee auf einem Markt, in dem die Verbraucher zusehends stärker werden.<span id="more-603"></span></p>
<p>Carolyn Reidy von Simon &amp; Schuster <a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704825504574584372263227740.html?mod=googlenews_wsj" target="_blank">räumte</a> dem Wall Street Journal gegenüber ein, dass die Verzögerungstaktik bei den Verbrauchern vermutlich auf wenig Gegenliebe stoßen wird. Aber man müsse jetzt handeln, um schlechte Gewohnheiten gar nicht erst einreißen zu lassen:</p>
<blockquote><p>&#8220;We believe some people will be disappointed. But with new [electronic] readers coming and sales booming, we need to do this now, before the installed base of e-book reading devices gets to a size where doing it would be impossible.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wer die Erwartungen seiner Kunden nicht erfüllen, sondern sie ihnen abgewöhnen will, muss sich nicht wundern, wenn sich diese nach Alternativen umsehen. Etwa indem sie ganz auf die Lektüre der verzögerten Titel verzichten oder sich auf andere Weise Zugang zu dem verschaffen, was ihnen willkürlich vorenthalten wird. <a href="http://ebooktest.wordpress.com/2009/12/09/how-book-publishing-will-lose-ebooks-vs-smart-digital-books/ " target="_blank">Mike Cane</a> verdeutlicht, dass die digitale Verweigerungshaltung schon in der Vergangenheit nach hinten losgegangen ist:</p>
<blockquote><p>&#8220;Let’s see … not a single Harry Potter book has been released in electronic format. Yet is every Harry Potter book available in every electronic format? Yes.  All you’re doing with this delay is saying: &#8216;Hey, kids! Rev up your scanners and bleed our writers to death!&#8217;&#8221;</p></blockquote>
<p>In einem differenzierten Beitrag verdeutlicht <a href="http://bookseller-association.blogspot.com/2009/12/so-whats-wrong-with-999.html" target="_blank">Martyn Daniels</a>, dass die Verlage noch nicht begriffen haben, dass ihre Position gegenüber den Verbrauchern durch den Medienwandel geschwächt ist:</p>
<blockquote><p>&#8220;The reality is that the power in the digital channel is clearly shifting away from the publisher and moving upstream to the author and downstream to the consumer.&#8221;</p></blockquote>
<p>Daniels erinnert zurecht daran, wie die Musikindustrie mit dem Aufkommen der CD überhöhte Preise durchgesetzt hat. Und damit den Boden für das P2P-Sharing legte, in dem die Verbraucher einander gegenseitig mit dem digitalen Gut versorgten und die Verwerterindustrien ausblendeten.</p>
<p>Weil die digitale Ware keinen Unterschied zwischen Original und Kopie kennt, verändert sich auch das Machtgefüge zwischen Verwerterindustrie und Verbrauchern: Denn die Verwerterindustrien können nicht mehr von der Knappheit ihres Gutes profitieren. Was digital ist, kann nicht knapp sein: Es ist virtuell immer unendlich oft in gleicher Qualität vorhanden. Wer sich da als Gatekeeper aufspielt, wirkt ein bisschen anachronistisch.</p>
<p>Wenn sich die Verwerterindustrien also nicht abschaffen wollen, sollten sie die Verbraucher als Verbündete sehen. Wer verkaufen will, muss freundlich sein. Die Piraterie im Film- und Musikgeschäft verdankt sich nicht zuletzt auch dem schlechten Ruf, den sich diese Branchen über Jahre erarbeitet haben.</p>
<p>Wie aber ist das Preisproblem zu lösen? Man wird den Verbrauchern nicht verständlich machen können, dass eine digitale Ausgabe auch nur annähernd so viel kosten soll wie ein gedrucktes Buch: Nicht nur, weil der Herstellungs-, Lagerungs- und Verteilungsaufwand so sichtbar geringer ist als bei einem physischen Produkt. Sondern auch, weil der Verbraucher weniger bekommt: Nichts was er antiquarisch weiterverkaufen könnte, nichts was er ausleihen könnte, nichts was er ohne erhebliche Vorab-Investition in die Hardware nutzen könnte.</p>
<p>Wenn sich Ebooks für $9,99 tatsächlich nicht rechnen, müssen die Verlage eben Ebooks anbieten, die einen höheren Preis rechtfertigen. Etwa, indem sie die Möglichkeiten ihres digitalen Mediums ausnutzen und dadurch &#8211; sei&#8217;s multimedial, sei&#8217;s interaktiv &#8211; Mehrwert herstellen, der den Verbrauchern einleuchtet. In Martyn Daniels Worten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Assuming ebooks sold cheap are going to kill off more expensive physical renditions isn’t a reason not to release them, but a reason to make them different.&#8221;</p></blockquote>
<p>Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich die Verlage zusätzlich zum Verkauf ihrer Produkte Einnahmen verschaffen. &#8211; Etwa durch Veranstaltungen oder durch das Einwerben von Sponsoring. Andere Kultureinrichtungen, etwa Museen, Orchester und Theater, haben ja gut funktionierende und finanzstarke &#8216;Freundeskreise&#8217;. Warum nicht auch Verlage? Auch dazu müssen sie zu ihren Lesern allerdings freundlich sein.</p>
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		<title>Letzte Weisheiten über das Internet</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 21:42:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Clay Shirky]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin Kelly]]></category>

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		<description><![CDATA[Was die Cyber-Weisen wirklich über das Internet denken, enthüllt nun ein Video.  Kevin Kelly, der selbst in Wort und Bild vorkommt, fasst es so zusammen: &#8220;A perfectly silly mashup of pundits like me pontificating about the web. [...]  In the mashup I observe that &#8216;the web is large. It is so much bigger than a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was die Cyber-Weisen wirklich über das Internet denken, enthüllt nun ein Video.  Kevin Kelly, der selbst in Wort und Bild vorkommt, <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2009/12/the_web_is_larg.php?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+thetechnium+%28The+Technium%29" target="_blank">fasst</a> es so zusammen: &#8220;A perfectly silly mashup of pundits like me pontificating about the web. [...]  In the mashup I observe that &#8216;the web is large. It is so much bigger than a balloon&#8217; which I have to say is very profound.&#8221; <span id="more-594"></span></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="350" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/2gGopKNPqVk&amp;feature" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="350" src="http://www.youtube.com/v/2gGopKNPqVk&amp;feature"></embed></object></p>
<p>Tatsächlich.</p>
<p>Die Original-Interviews, die für dieses Video zusammengeschnipselt wurden, finden sich übrigens <a href="http://www.bbc.co.uk/digitalrevolution/rushes.shtml" target="_blank">hier</a>.</p>
<p>(via <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2009/12/the_web_is_larg.php?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+thetechnium+%28The+Technium%29" target="_blank">kk.org</a>)</p>
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		<title>Nachgerechnet: Das &#8220;Jahrhundertprojekt&#8221; Deutsche Digitale Bibliothek</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Dec 2009 00:05:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Neumann]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliotheken]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Digitale Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Google Book Settlement]]></category>

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		<description><![CDATA[Als &#8220;Jahrhundertprojekt&#8221; hat der Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann die vor wenigen Tagen avisierte &#8220;Deutsche Digitale Bibliothek&#8221; (DDB) bezeichnet. Wer nachrechnet, stellt fest: Der Mann hat Recht. Schade, dass wir in hundert Jahren nicht mehr leben werden, um die DDB in Vollendung zu sehen. Die Proteste von Börsenverein, Justizministerium und Kanzlerin gegen das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als &#8220;<a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1272/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2009/12/2009-12-02-bkm-deutsche-digitale-bibliothek.html">Jahrhundertprojekt</a>&#8221; hat der Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann die vor wenigen Tagen avisierte &#8220;<a href="http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/index.htm">Deutsche Digitale Bibliothek</a>&#8221; (DDB) bezeichnet. Wer nachrechnet, stellt fest: Der Mann hat Recht. Schade, dass wir in hundert Jahren nicht mehr leben werden, um die DDB in Vollendung zu sehen. <span id="more-586"></span></p>
<p>Die Proteste von <a href="http://www.golem.de/0909/69496.html">Börsenverein</a>, <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesregierung-lehnt-google-vergleich-ab;2451876">Justizministerium</a> und <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,654455,00.html">Kanzlerin</a> gegen das Google Book Settlement sind erhört worden. In seiner überarbeiteten Version sieht der Einigungsvertrag zwischen US-amerikanischen Verleger- und Autorenverbänden auf der einen und Google auf der anderen Seite vor, dass nur noch Bücher, die in den USA urheberrechtlich registriert oder in Kanada, Australien oder Großbritannien erschienen sind, in Googles digitale Bibliothek aufgenommen werden dürfen. Deutschsprachige Bücher bleiben also im großen und ganzen außen vor. Dem bestehenden Urheberrecht ist Genüge getan, und man darf hierzulande noch ein wenig im 20. Jahrhundert leben: Wer lesen will, möge sich in den Lesesaal bequemen, wer Texte suchen will, möge den OPAC-Terminal benutzen, und wer Texte durchsuchen will, möge, nun ja, Seiten umblättern.</p>
<p>Doch die nun annoncierte öffentliche Digitaloffensive DDB weckt die Hoffnung, dass das Wissen des Papierzeitalters doch noch für unsere digitale Gegenwart und Zukunft zugänglich wird. Die Regierung will sich nicht länger von einem Internetkonzern vormachen lassen, wie&#8217;s geht. Von Mitte 2011 an wird nun selbst digitalisiert: Die DDB <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1272/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2009/12/2009-12-02-bkm-deutsche-digitale-bibliothek.html">soll</a> über ein zentrales Portal die Bestände von über 30.000 öffentlichen Einrichtungen online verfügbar machen. Damit will die Bundesregierung ihren Teil zum EU-Bibliotheksprojekt <a href="http://www.europeana.eu/portal/">Europeana</a> leisten. In vielleicht gar nicht allzu ferner Zukunft wird man dort also vielleicht sogar Texte von so entlegenen Autoren wie <a href="http://europeana.eu/portal/brief-doc.html?query=Franz%20kafka&amp;qf=TYPE:TEXT&amp;tab=text&amp;view=table">Franz Kafka</a> finden.</p>
<p>Eine weitere Nachricht, mit der der BKM erfreut, ist, dass die DDB im Gegensatz zum privatwirtschaftlichen US-Vorbild die Autoren und Verleger der zu digitalisierenden Werke konsultieren will, bevor digitalisiert wird. Die bemerkenswerte Effektivität von Googles Buchprojekt – im Oktober dieses Jahres lag die Zahl der bei Google Books verfügbaren Bücher Sergey Brin <a href="http://www.nytimes.com/2009/10/09/opinion/09brin.html?_r=1">zufolge</a> bereits bei 10 Millionen – liegt zum Teil auch daran, dass Google sich den äußerst zeit- und kostenintensiven Arbeitsschritt der Suche nach und Abstimmung mit den Rechteinhabern spart. Die öffentliche Hand kann sich einen so großzügigen Umgang mit urheberrechtlichen Bestimmungen natürlich nicht erlauben. &#8220;Im Unterschied zu Google werden bei der DDB die Rechte-Inhaber zuerst gefragt und dann wird gehandelt – dokumentiert und jederzeit nachvollziehbar&#8221;, betont Neumann.</p>
<p>Google äußert sich nicht konkret über den Umfang seines Investments in das Projekt, dem die DDB Konkurrenz machen will. <a href="http://news.cnet.com/8301-30684_3-10321371-265.html">Schätzungen</a> gehen aber davon aus, dass der Internetkonzern bislang allein für das Einscannen um die $300 Millionen in das Projekt gesteckt haben muss. &#8220;Niemand außer Google ist reich genug, um in diesem massiven Umfang in Digitalisierung zu investieren&#8221;, hat der Direktor der Universitätsbibliothek von Harvard, Robert Darnton, mit Bedauern <a href="http://www.nybooks.com/articles/22281">festgestellt</a>. Obwohl der Aufwand, den die DDB betreiben will, also sehr viel größer ist, ist ihre Investitionssumme sehr viel überschaubarer: Für die zentrale Infrastruktur sollen <a href="http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/Medienpolitik/DeutscheDigitaleBibliothek/deutsche-digitale-bibliothek.html">Regierungsangaben</a> zufolge nach einer Anschubfinanzierung in Höhe von 5 Mio. Euro jedes Jahr insgesamt 2,6 Mio. Euro zur Verfügung gestellt werden. Weitere Mittel zur Digitalisierung will man auch von &#8220;privaten Geldgebern&#8221; einwerben.</p>
<p>Die genannten Summen sind nachgerade anrührend klein. Der Bundeskulturminister will die digitale Universalbibliothek am Pappenstiel. Gemessen an Googles Investition könnte es also durchaus sein, dass – wie Neumann rühmt – ein &#8220;Jahrhundertprojekt&#8221; aus der DDB wird: In 100 Jahren wäre man in etwa in der Größenordnung dessen, was Google bisher investiert hat. Dabei dürfte ein Löwenanteil dieser Summe allein für die anfallenden Recherche- und Verwaltungsarbeiten bei der Suche nach den Rechteinhabern draufgehen. Die Anzahl zugänglich gemachter Werke müsste dementsprechend weit hinter dem zurückbleiben, was Google bisher bereits ermöglicht hat.</p>
<p>So löblich der Ansatz der Bundesregierung ist, das &#8220;kulturelle Erbe in öffentlicher Verantwortung&#8221; zu behalten, wäre nachzurechnen, ob dem Allgemeinwohl nicht besser durch eine Urheberrechtsreform gedient wäre, die etwa festlegt, dass vergriffene Werke von öffentlichen Bibliotheken auch online verfügbar oder zumindest durchsuchbar gemacht werden dürfen – bei entsprechender Entschädigung für die Rechteinhaber über die Verwertungsgesellschaften.</p>
<p>Wünscht man sich eine öffentliche Bibliothek im Netz, so ist der Staat eben nicht nur als Investor gefragt. Vor allem wäre eine Überarbeitung des Urheberrechts vonnöten, die das Ziel des öffentlichen Bibliothekssystems, die Zugänglichmachung und Bewahrung von Wissen, nicht dort begrenzt, wo die analogen Möglichkeiten bisher praktische Grenzen gezogen haben. Eine öffentliche digitale Bibliothek muss auf rechtlichen Grundlagen beruhen, mit denen sie ihre Aufgaben gegenüber der Allgemeinheit auch im Netz erfüllen kann. Wenn die Berliner Politologin und Netzforscherin Jeanette Hofmann ein &#8220;Googlegesetz&#8221; <a href="http://www.golem.de/0911/71233.html">fordert</a>, kann man ihr deshalb nur zustimmen.</p>
<p>Einstweilen bleibt aber noch etwas Bedenkzeit: Der Bund nimmt noch anderthalb Jährchen Anlauf, bevor er zum &#8220;Quantensprung in der Welt der digitalen Information&#8221; (Neumann) ansetzt: Erst ab 2011 soll die DDB in den &#8220;<a href="http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/Medienpolitik/DeutscheDigitaleBibliothek/deutsche-digitale-bibliothek.html">Pilotbetrieb</a>&#8221; gehen. Nach anderen Angaben aus derselben amtlichen Quelle soll im gleichen Jahr gar der &#8220;<a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1272/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2009/12/2009-12-02-bkm-deutsche-digitale-bibliothek.html">Dauerbetrieb</a>&#8221; starten. Der Pilotbetrieb als Dauerbetrieb: Soviel Beta-Mentalität hätte den Behörden wohl bisher niemand zugetraut.</p>
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		<title>Felicitas Hoppe: Verlage sollten Autoren Digitalwelt erklären</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 10:48:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Felicitas Hoppe]]></category>

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		<description><![CDATA[Verlage sollten ihren Autoren die neuen Herausforderungen und Chancen der digitalen Welt erklären, fordert die Schriftstellerin Felicitas Hoppe. Insbesondere bei der Diskussion über den Heidelberger Appell habe sie sich schlecht informiert gefühlt und von ihrem Verlag Aufklärung erhofft, sagte die Schriftstellerin am Montag auf einer Podiumsdiskussion im Literaturhaus Berlin aus Anlass des Erscheinens von Detlef [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verlage sollten ihren Autoren die neuen Herausforderungen und Chancen der digitalen Welt erklären, fordert die <a href="http://www.literaturport.de/index.php?id=26&amp;no_cache=1&amp;user_autorenlexikonfrontend_pi1[al_aid]=319&amp;user_autorenlexikonfrontend_pi1[al_opt]=2" target="_blank">Schriftstellerin</a> Felicitas Hoppe. Insbesondere bei der Diskussion über den <a href="http://www.textkritik.de/urheberrecht/index.htm" target="_blank">Heidelberger Appell</a> habe sie sich schlecht informiert gefühlt und von ihrem Verlag Aufklärung erhofft, sagte die Schriftstellerin am Montag auf einer <a href="http://www.berlinerbuchhandel.de/de/berlin_brandenburg/16._November_2009_Von_Autoren_Buechern_und_Piraten/345995" target="_blank">Podiumsdiskussion</a> im Literaturhaus Berlin aus Anlass des Erscheinens von Detlef Bluhms &#8220;<a href="http://www.detlefbluhm.de/webseite/buecher/autoren_short.php" target="_blank">Von Autoren, Büchern und Piraten</a>&#8220;. <span id="more-568"></span></p>
<p>Tatsächlich trifft Hoppe damit meines Erachtens einen wichtigen Punkt. Während sich die deutschsprachigen Publikumsverlage in der letzten Zeit verstärkt mit dem Digitalen auseinandersetzen und in den Feuilletons Diskussionen über Urheberrecht und Google Settlement einen festen Platz eingenommen haben, hört man dazu bisher nur bedauerlich wenige Wortmeldungen von literarischen Autoren. Der Verdacht liegt nahe, dass dies auf ein Informationsdefizit zurückzuführen ist – und vielleicht auch auf eine Unlust der Autoren, sich mit so verwickelten wie profanen Fragen der Verwertung ihrer Werke auseinanderzusetzen.</p>
<p>Die hochkomplexen Sach- und Debattenlagen (Stichwort: Book Settlement) erfordern tatsächlich ein hohes Maß an Hingabe und kontinuierlicher Auseinandersetzung. Leisten kann das beinahe nur, wer dafür bezahlt wird. Neben den Experten aus den Interessenverbänden der Autoren sind daher auch die Experten in den Verlagen in der Pflicht, die Autoren zu informieren. Das wäre aus Verlagssicht nicht nur sinnvoll, um das Vertrauen der Autoren in die Verlage zu fördern. Gerade weil die öffentliche Debatte über den digitalen Medienwandel über weite Strecken ohne die Protagonisten des literarischen Betriebes stattfindet, wären die Verlage gut beraten, wenn sie wenigstens intern die Diskussion mit ihren Autoren über diese Dinge suchen würden.</p>
<p>Dabei sollten die Verlage nicht nur dem Hinweis von Felicitas Hoppe folgen und ihren Autoren erklären, welche Strategien sie im Bereich des digitalen Publizierens verfolgen und was dies für die Autoren selbst bedeutet. Mehr noch, die Verlage sollten mit ihren Autoren offene Diskussionen über ihre digitalen Pläne führen und auf ihre Sorgen und Wünsche Rücksicht nehmen. Schon alleine damit sie nicht am Ende feststellen müssen, dass sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Denn wenn sie die Aufklärungsarbeit über den Medienwandel anderen überlassen, könnte sich herausstellen, dass die Autoren einseitig – und nicht unbedingt zu ihrem Vorteil – informiert wurden. Nach wie vor verblüffend ist ja die Anzahl derer, die ihren Namen unter den so undifferenzierten wie fundamentalistischen <a href="http://www.textkritik.de/urheberrecht/index.htm" target="_blank">Heidelberger Appell</a> gesetzt haben.</p>
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		<title>Das Wissen des Papierzeitalters</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 08:16:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesenswert]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Google Book Settlement]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Lesehinweis in eigener Sache: In The European erscheint heute ein Gastbeitrag von mir, in dem ich vorschlage, über eine Schrankenreglung im Urheberrecht nachzudenken, die es generell ermöglicht, vergriffene literarische Werke zu digitalisieren, um sie von Suchmaschinen erfassen zu lassen. Dahinter stecken zwei Thesen. Einerseits, dass sich die Bedeutung von Öffentlichkeit geändert hat: Das Netz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Lesehinweis in eigener Sache: In <em>The European </em>erscheint heute ein <a href="http://www.theeuropean.de/rohde-thomas/digitalisierung-und-das-urheberrecht" target="_blank">Gastbeitrag</a> von mir, in dem ich vorschlage, über eine Schrankenreglung im Urheberrecht nachzudenken, die es generell ermöglicht, vergriffene literarische Werke zu digitalisieren, um sie von Suchmaschinen erfassen zu lassen. <span id="more-525"></span></p>
<p>Dahinter stecken zwei Thesen. Einerseits, dass sich die Bedeutung von Öffentlichkeit geändert hat: Das Netz ist ein wesentlicher Teil der Öffentlichkeit. Kann man eigentlich noch mit Recht davon sprechen, ein Werk sei veröffentlicht, wenn es im Netz keine Spuren hinterlässt? Andererseits: Der Begriff von Wissen hat sich verändert. Wissen heißt zunehmend weniger, etwas auswendig im Kopf zu haben, sondern Recherchewege zu beherrschen, die das jeweils Erforderte zutage fördern. Das im Papierzeitalter veröffentlichte Wissen öffentlich zu halten, bedeutet deswegen, es im Netz auffindbar zu machen.</p>
<p>Überrascht hat mich die Position von Matthias Ulmer, der daran zweifelt, dass das in Bibliotheken gesammelte Wissen grundsätzlich bewahrenswert ist: In seinem <a href="http://www.theeuropean.de/ulmer-matthias/aenderung-des-urheberrechtes" target="_blank">Beitrag</a> argumentiert er, dass das Wissen des Papierzeitalters zu einem guten Teil überflüssig sei:</p>
<blockquote><p>&#8220;Der größte Teil der  Bücher in Bibliotheken wird nie mehr ausgeliehen. Weil die einfach niemand braucht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Dann könnte man ja gleich hingehen und alle Bücher, die in den letzten fünf Jahren nicht entliehen wurden, aus den Bibliotheken entfernen. Endlich wieder Platz im Regal! Soweit geht Ulmer freilich nicht. Aber spricht es für eine hohe Meinung von den Leistungen der Autoren, wenn er behauptet, dass es unwichtig ist, ob ihre Werke jetzt oder erst zwei Tage vor St. Nimmerlein (um fair zu sein: er sagt &#8220;in zwanzig Jahren&#8221;) digital zugänglich werden?</p>
<p>Da Kommentieren bei <em>The European</em> etwas beschwerlich ist, schlage ich vor, Kommentare zu meinem Gastbeitrag hier zu hinterlassen.</p>
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		<title>Content kann man nicht verkaufen: Paul Graham über &#8220;Post-Medium Publishing&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 12:43:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Geschäftsmodelle]]></category>
		<category><![CDATA[Lesenswert]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[eBooks]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Graham]]></category>
		<category><![CDATA[Pricing]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben nie für Content bezahlt, sondern immer nur fürs Medium, ist sich der Programmierer, Essayist und Risikokapitalgeber Paul Graham sicher. Damit greift er eine der Grundbehauptungen – aus seiner Sicht wohl eher: Lebenslügen – der Verwerterindustrien an. Die Belege, die er dafür in seinem neuesten Essay &#8220;Post-Medium Publishing&#8221; vorbringt, sind griffig.  So fragt er: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben nie für Content bezahlt, sondern immer nur fürs Medium, ist sich der Programmierer, Essayist und Risikokapitalgeber <a href="http://www.paulgraham.com/bio.html" target="_blank">Paul Graham</a> sicher. Damit greift er eine der Grundbehauptungen – aus seiner Sicht wohl eher: Lebenslügen – der Verwerterindustrien an. Die Belege, die er dafür in seinem neuesten Essay &#8220;<a href="http://www.paulgraham.com/publishing.html" target="_blank">Post-Medium Publishing</a>&#8221; vorbringt, sind griffig. <span id="more-456"></span></p>
<p>So fragt er: &#8220;Wenn es den Verwertern darum ging, Content zu verkaufen, warum war der Preis von Büchern, Musik oder Filmen dann zumeist vor allem vom Format abhängig? Warum hat dann besserer Content nicht mehr gekostet?&#8221; Gerade mit Blick auf die Preisgestaltung der Buchindustrie, die denselben Inhalt als Hardcover und als Paperback zu verschiedenen Preisen anbietet, hat Grahams Einwand einige Überzeugungskraft:</p>
<blockquote><p>&#8220;Almost every form of publishing has been organized as if the medium was what they were selling, and the content was irrelevant. Book publishers, for example, set prices based on the cost of producing and distributing books. They treat the words printed in the book the same way a textile manufacturer treats the patterns printed on its fabrics.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Digitalisierung führt dazu, dass der physische Datenträger verzichtbar wird. Damit verlieren die Verwerterindustrien ihr Produkt, glaubt Graham. Ihr Mantra, wie zuvor den Datenträger nun den Content verkaufen zu können, hält er für unglaubwürdig. Selbst iTunes verkaufe nicht eigentlich Content, sondern erhebe lediglich eine Art Gebühr für den unkomplizierten Zugang zu ihm.</p>
<p>Die Interessen eines Distributors wie iTunes sind von denen der Verwerterindustrie deutlich unterschieden – etwa dadurch, dass er die Preise stets &#8220;unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle&#8221; halten müsse. – Dasselbe Modell zeichnet sich nach Paul Grahams Ansicht für eBooks ab:</p>
<blockquote><p>&#8220;The situation is much the same with digital books. Whoever controls the device sets the terms. It&#8217;s in their interest for content to be as cheap as possible, and since they own the channel, there&#8217;s a lot they can do to drive prices down. Prices will fall even further once writers realize they don&#8217;t need publishers. Getting a book printed and distributed is a daunting prospect for a writer, but most can upload a file.&#8221;</p></blockquote>
<p>Was bedeutet das für die Zukunft der Verwerter? Graham bietet keine umfassende Vision, sondern spricht Nischenlösungen an: Da, wo man mit Informationen Geld verdienen kann, wird für sie auch weiterhin bezahlt werden – etwa für Börsentipps. Und da, wo das physische Medium eine hohe Attraktivität hat, wird auch weiterhin für dieses bezahlt werden: Zum Beispiel für aufwendig hergestellte gedruckte Bücher und für Hochglanzzeitschriften.</p>
<p>Für den großen Restbereich – diejenigen Bücher, die man nicht gedruckt im Regal stehen haben will, die Musik, auf deren physischen Datenträger man leicht verzichten kann, hat er keinen Masterplan. Seine Ideen dazu erinnern an Kevin Kellys Thesen aus &#8220;<a href="../../2009/08/kevin-kelly-besser-als-kostenlos-better-than-free/" target="_blank">Besser als kostenlos</a>&#8220;. &#8211; Ob man darauf ein &#8220;content business&#8221; aufbauen kann, ist für Graham aber unklar.</p>
<p>Wie auch Tim Renner, der seinem wichtigen Buch über die Zukunft der Medienindustrie den Titel &#8220;<a href="http://www.rogner-bernhard.de/titles/show/425" target="_blank">Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm</a>&#8220;   gegeben hat, betont Paul Graham allerdings vor allem die Chancen dieser Situation:</p>
<blockquote><p>&#8220;I don&#8217;t know exactly what the future will look like, but I&#8217;m not too worried about it. This sort of change tends to create as many good things as it kills. Indeed, the really interesting question is not what will happen to existing forms, but what new forms will appear.&#8221;</p></blockquote>
<p>(via <a href="http://twitter.com/dvg" target="_blank">@dvg</a>)</p>
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		<title>Lesenswert: Kassia Krozser (Quartet Press) über E-Publishing</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 10:11:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Geschäftsmodelle]]></category>
		<category><![CDATA[Lesenswert]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Kassia Krozser]]></category>
		<category><![CDATA[Quartet Press]]></category>

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		<description><![CDATA[Nein, eine funktionierende Firma ist letztlich nicht draus geworden: Kassia Krozser hat zusammen mit ebenso engagierten Kolleginnen in den vergangenen Monaten das Experiment unternommen, einen ePublishing-Verlag auf die Beine zu stellen. Ihr Verlag, Quartet Press,  war ein Versuch, das Verlagsgeschäft anhand der völlig neuen Möglichkeiten des digitalen Publizierens von Grund auf neu anzugehen. Dem konnte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, eine funktionierende Firma ist letztlich nicht draus geworden: Kassia Krozser hat zusammen mit ebenso engagierten Kolleginnen in den vergangenen Monaten das Experiment unternommen, einen ePublishing-Verlag auf die Beine zu stellen. Ihr Verlag, <a href="http://quartetpress.com/about/" target="_blank">Quartet Press</a>,  war ein Versuch, das Verlagsgeschäft anhand der völlig neuen Möglichkeiten des digitalen Publizierens von Grund auf neu anzugehen. Dem konnte man in ihrem <a href="http://quartetpress.com/" target="_blank">Blog</a> seit Juni folgen. <span id="more-446"></span></p>
<p>Nun hat Quartet Publishing die Segel gestrichen. Ihre Erfahrungen fasst Kassia Krozser in einem unbedingt lesenswerten <a href="http://booksquare.com/how-i-spent-my-summer-vacation/" target="_blank">Artikel</a> auf Booksquare zusammen. Krozser betont, dass ePublishing von Grund auf nicht nur neu gedacht, sondern vor allem neu ausprobiert werden muss. Wer in den überkommenen Spuren verharrt, kann kein Vorbild für ein erfolgreiches Handeln mit den neuen Medien und Werkzeugen abgeben:</p>
<blockquote><p>&#8220;I would not […] suggest, for anyone starting in the digital first or digital only realm, to look to traditional publishers for guidance. Okay, maybe a few, but only in the instances where those publishers are doing it differently and taking real chances. Anyone who isn’t engaged in a level of messy experimentation, they’re not worth using as a role model.&#8221;</p></blockquote>
<p>Besser als unpassende Geschäftsmodelle und Strukturen von den traditionellen Häusern zu übernehmen, ist es, per trial and error vorzugehen und das Scheitern zu riskieren. Dass Krozser diese Offenheit dem eigenen Experiment gegenüber hatte und mit derselben Offenheit über dessen Scheitern spricht, ist rühmlich. Man würde sich mehr Experimente dieser Art wünschen: Denn was ist wohl wahrscheinlicher: Dass eines dieser Experimente glückt oder dass diejenigen in der Branche, die an ihren herkömmlichen Strukturen und Geschäftsmodellen festhalten, ein funktionierendes ePublishing zustande bringen?</p>
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		<title>Kevin Kelly: Besser als kostenlos (&#8220;Better Than Free&#8221;)</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 06:59:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Geschäftsmodelle]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Free]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin Kelly]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Aufsatz &#8220;Better Than Free&#8221; des Wired-Herausgebers und Technologietheoretikers Kevin Kelly wurde zuerst im Januar 2008 veröffentlicht. Mittlerweile ist er zu einem klassischen Text der Diskussion über neue Geschäftsmodelle in der digitalen Welt geworden und hat, unter vielen anderen, auch Chris Anderson beeinflusst, der sich in seinem Buch &#8220;Free&#8221; (kostenpflichtige Printausgabe, gratis Audiobook-Download) mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Aufsatz &#8220;<a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php " target="_blank">Better Than Free</a>&#8221; des Wired-Herausgebers und Technologietheoretikers <a href="http://www.kk.org/" target="_blank">Kevin Kelly</a> wurde zuerst im Januar 2008 veröffentlicht. Mittlerweile ist er zu einem klassischen Text der Diskussion über neue Geschäftsmodelle in der digitalen Welt geworden und hat, unter vielen anderen, auch <a href="http://www.thelongtail.com/" target="_blank">Chris Anderson</a> beeinflusst, der sich in seinem Buch &#8220;Free&#8221; (kostenpflichtige <a href="http://www.hyperionbooks.com/titlepage.asp?ISBN=1401322905&amp;SUBJECT=Business" target="_blank">Printausgabe</a>, gratis <a href="http://www.wired.com/images/multimedia/free/FREE_Audiobook_unabridged.zip" target="_blank">Audiobook-Download</a>) mit dem gleichen Thema auseinandersetzt. Mit freundlicher Genehmigung von Kevin Kelly erscheint &#8220;Better Than Free&#8221; hier erstmals in deutscher Übersetzung. </em><span id="more-389"></span></p>
<h2><strong>Kevin Kelly: Besser als kostenlos </strong></h2>
<p>Das Internet ist eine Kopiermaschine. Auf seiner grundlegendsten Ebene kopiert es jede Handlung die wir tun, jedes Zeichen und jeden Gedanken, den wir äußern, während wir darin unterwegs sind. Wenn eine Nachricht von einem Winkel des Internets in einen anderen gesendet werden soll, erfordern die Kommunikationsprotokolle, dass die gesamte Nachricht unterwegs mehrmals kopiert wird. IT-Unternehmen verdienen gutes Geld mit dem Verkauf von Geräten, die diese unablässigen Kopiervorgänge ermöglichen und vereinfachen. Jedes Datenbit, das auf einem Computer produziert wird, wird irgendwo hinkopiert. Die digitale Wirtschaft wird von diesem Kopienstrom angetrieben. Im Unterschied zu den massengefertigten Reproduktionen des Maschinenzeitalters sind diese Kopien nicht nur billig, sondern kostenlos.</p>
<p>Unser digitales Kommunikationsnetzwerk ist darauf ausgerichtet, dem Fließen der Kopien so wenig Reibungswiderstand entgegenzusetzen wie möglich. Tatsächlich fließen die Kopien so ungehindert, dass wir das Internet als einen Supraverteiler sehen können, in dem eine Kopie, sobald sie einmal ins System eingebracht ist, endlos durch das Netzwerk fließt, so wie elektrischer Strom in einem Supraleiter. Die Auswirkungen können wir in unserem täglichen Leben sehen: Wird ein kopierbarer Gegenstand mit dem Internet in Berührung gebracht, dann wird er kopiert, und diese Kopien lassen sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Jedes Kind weiß, dass man etwas, das einmal ins Internet eingeflossen ist, nicht mehr löschen kann.</p>
<p>Dieser Supraverteiler ist zur Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands geworden. Die unmittelbare Vervielfältigung von Daten, Ideen und Medien stützt alle maßgeblichen Sektoren der amerikanischen Wirtschaft, vor allem die exportorientierten – also diejenigen, in denen die USA einen Wettbewerbsvorteil haben. Unser Wohlstand basiert auf einem gewaltigen Apparat, der unterschiedslos und unentwegt Kopien erstellt.</p>
<p>Die letzte Wohlstandsperiode dieser Wirtschaft baute dagegen auf den Verkauf wertvoller Kopien, so dass das freie Fließen kostenloser Kopien die überkommene Ordnung zu untergraben droht. Wenn all unsere Arbeit kostenlos vervielfältigt werden kann, wie soll es dann weitergehen? Wie, um es auf den Punkt zu bringen, kann man mit dem Verkauf kostenloser Kopien Geld verdienen?</p>
<p>Auf diese Frage habe ich eine Antwort. Am einfachsten lässt sie sich so formulieren:</p>
<p>Wenn Kopien im Überfluss verfügbar sind, werden sie wertlos.</p>
<p>Wenn Kopien im Überfluss verfügbar sind, wird das Unkopierbare knapp und wertvoll.</p>
<p><strong>Wenn Kopien kostenlos verfügbar sind, muss man Unkopierbares verkaufen.</strong></p>
<p>Aber was ist unkopierbar?</p>
<p>Es gibt eine Reihe von unkopierbaren Werten: Vertrauen zum Beispiel. Vertrauen kann nicht kopiert werden. Man kann es nicht kaufen. Vertrauen muss man sich verdienen, über einen längeren Zeitraum. Man kann es auch nicht downloaden. Oder fälschen. Oder vortäuschen (zumindest nicht auf Dauer). Wenn alle anderen Bedingungen gleich sind, wird man stets lieber mit jemandem einen Handel eingehen, dem man vertrauen kann. Daher ist Vertrauen etwas Immaterielles, das in einer kopiengesättigten Welt mehr und mehr an Wert gewinnt.</p>
<p>Neben Vertrauen gibt es zahlreiche ähnliche Werte, die schwer kopierbar und daher in unserer Netzökonomie zunehmend wertvoll werden. Mir scheint, dass man sie am besten untersuchen kann, wenn man nicht aus der Perspektive des Produzenten, Herstellers oder Urhebers auf sie blickt, sondern aus der des Verbrauchers. Man kann mit einer einfachen Verbraucherfrage beginnen: Warum sollten wir eigentlich für etwas zahlen, das wir kostenlos haben können? Wenn man eine Kaufversion eines Gegenstands erwirbt, den man auch kostenlos haben könnte, was genau kauft man da eigentlich?</p>
<p>Meine Beschäftigung mit der Netzökonomie hat mir acht Kategorien von immateriellen Werten aufgezeigt, die wir kaufen, wenn wir für etwas Geld ausgeben, das auch kostenlos verfügbar wäre.</p>
<p>Diese acht Dinge sind ganz buchstäblich besser als kostenlos. Acht unkopierbare Werte, die ich als &#8220;Generative&#8221; bezeichnen will. Ein &#8220;generativer&#8221; Wert ist eine Eigenschaft oder ein Attribut, das generiert werden muss, also herangezogen, kultiviert, gehegt. Ein Generativ kann nicht kopiert, geklont, gefaked, vervielfältigt, gefälscht oder nachgemacht werden. Es wird auf eigene Weise generiert, vor Ort und über längere Zeit. In der digitalen Welt fügen generative Eigenschaften kostenlosen Kopien Wert hinzu – dadurch lassen sie sich verkaufen.</p>
<p><strong>Besser als kostenlos: die acht Generative</strong></p>
<p><strong>Unmittelbarkeit</strong>: Früher oder später kann man alles als Kopie finden, aber eine Kopie im Moment ihres Erscheinens – oder noch besser: ihrer Entstehung – auf den Tisch zu bekommen, darin liegt ein generativer Vorteil. Viele Leute gehen zur Filmpremiere ins Kino, wo man einen saftigen Preis dafür zahlt, einen Film zu sehen, den man zu einem späteren Zeitpunkt kostenlos oder beinahe kostenlos ausleihen oder downloaden könnte. Gebundene Bücher kosten mehr, weil sie als erste verfügbar sind – auch wenn sie diesen Vorzug als Bindungsart maskieren. Um der erste zu sein, muss man oft für dasselbe Produkt einen höheren Preis zahlen. Als verkäufliche Qualität hat die Unmittelbarkeit verschiedene Ebenen, darunter den Zugang zu Beta-Versionen. Damit werden Anhänger eines Produkts selbst in den generativen Prozess eingebunden. Beta-Versionen gelten oft als weniger wertvoll, weil sie unvollständig sind, aber sie besitzen gleichzeitig verkäufliche generative Eigenschaften. Unmittelbarkeit ist immer relativ – deshalb ist sie generativ. Sie muss zum Produkt ebenso passen wie zur Zielgruppe. Blogs unterliegen einem anderen Zeitgefühl als Filme oder Autos. Aber letztlich hat jedes Medium seine Unmittelbarkeit.</p>
<p><strong>Personalisierung</strong>: Die allgemeine Version eines Konzertmitschnitts mag kostenlos zu haben sein, aber wenn man eine Kopie haben möchte, die darauf abgestimmt ist, im eigenen Wohnzimmer ein perfektes Klangerlebnis zu bieten – so als wäre das Konzert eben dort aufgeführt worden – wäre man vielleicht bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Das kostenlose Exemplar eines Buches kann vom Verlag nach Maß redigiert werden, so dass es sich in die eigene Leseerfahrung einpasst. Damit man einen kostenlosen Film kauft, kann er geschnitten und den eigenen Sehvorlieben angepasst werden (etwa ohne Gewaltdarstellung, aber mit Kraftausdrücken). Aspirin ist kostenlos, aber Aspirin, das für die eigene DNA optimiert ist, ist sehr teuer. Es ist oft angemerkt worden, dass Personalisierung eine längere Abstimmung zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher, dem Künstler und seinem Fan, dem Produzenten und dem Nutzer erfordert. Personalisierung ist zutiefst generativ, weil sie wiederholungsintensiv und zeitaufwendig ist. Die Personalisierung, die sich in einer Beziehung niederschlägt, ist unkopierbar. Im Marketing nennt man dies &#8220;Stickiness&#8221; – &#8220;Haftkraft&#8221;. Denn es bedeutet, dass beide Parteien diesem generativen Vorteil verhaftet sind (sich darin einbringen) und deshalb ungern die Beziehung abbrechen, um anderswo neu anzuknüpfen.</p>
<p><strong>Interpretation</strong>: Ein alter Witz geht so: Software kostenlos – Benutzerhandbuch 10.000 Dollar. Aber das ist kein Witz. Ein ganze Reihe prominenter Unternehmen wie Red Hat, Apache und viele andere verdienen ihr Geld auf genau diese Weise. Sie bieten gegen Bezahlung Support für die kostenlose Software. Die Kopie des Softwarecodes, die reinen Bits, sind kostenlos – und werden für den Nutzer erst durch Support und Anleitung wertvoll. Ich vermute, dass dieses Modell in Zukunft auch für genetische Informationen gelten wird. Momentan ist es noch sehr teuer, eine Kopie seines DNA-Codes zu bekommen, doch das wird sich ändern. Bald schon werden Pharma-Unternehmen die Verbraucher dafür bezahlen, dass sie ihre Gene sequenzieren lassen. Die Kopie der eigenen Gensequenz wird man also kostenlos bekommen können, aber ihre Interpretation: was diese Sequenz bedeutet, was für Folgen sich daraus ergeben und wie man sich darauf einstellen kann – sozusagen das Benutzerhandbuch für die eigenen Gene – wird einen hohen Preis haben.</p>
<p><strong>Authentizität</strong>:<strong> </strong>Schon möglich, dass man eine wichtige Software kostenlos haben kann, doch selbst wenn man kein Benutzerhandbuch braucht, will man vielleicht sicherstellen, dass die Software fehlerfrei, zuverlässig und garantiert echt ist. Für Authentizität ist man bereit zu zahlen. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Varianten der Jams der Grateful Dead. Doch wenn man eine authentische Version bei der Band selbst kauft, dann kann man sicher sein, dass man das bekommt, was man wirklich haben will – und dass wirklich die Grateful Dead den Jam eingespielt haben. Künstler hatten von alters her mit diesem Problem zu kämpfen. Grafische Reproduktionen, etwa Fotografien oder Lithographien, tragen oft einen Künstlerstempel, eine Art Signatur, die Authentizität behauptet, so dass einen höherer Preis für die Kopie verlangt werden kann. Digitale Wasserzeichen und andere Signaturtechnologien werden als Antikopiermaßnahmen wirkungslos sein (sind Kopien doch supraleitende Flüssigkeiten), aber sie können dem, der Wert darauf legt, die generative Eigenschaft Authentizität vermitteln.</p>
<p><strong>Zugänglichkeit</strong>: Besitz ist oft nervig: Man muss seine Dinge sauber und aktuell halten und sich – sofern es sich um digitale Gegenstände handelt – um Sicherungskopien kümmern. Und in der mobilen Welt, in der wir leben, muss man ihn überall hin mitschleppen. Viele Leute, und ich selbst gehöre dazu, wären vollauf glücklich, wenn andere sich um unsere &#8220;Besitztümer&#8221; kümmern würden, und wir sie lediglich abonnierten. Wir würden gern Geld an ein fantastisches Unternehmen, nennen wir es Acme Digital Warehouse, zahlen, damit es uns jede Melodie dieser Welt bereitstellt, wann und wo wir wollen – und auch jeden Film und jedes Foto (egal ob von uns selbst oder von einem anderen aufgenommen) sowie jedes Buch und jeden Blog. Acme würde von allem Sicherungskopien erstellen, die Urheber entlohnen und uns liefern, was wir Lieben: auf unsere Telefone, PDAs, Laptops, Großbildschirme, ganz egal. Dass das meiste auch kostenlos zu haben sein wird – wenn wir es denn auf uns nehmen wollen, es selbst zu pflegen, zu erweitern, zu ordnen und Sicherungskopien anzulegen – wird mit der Zeit immer weniger verlockend sein.</p>
<p><strong>Verkörperung</strong>: Im Grunde sind digitale Kopien körperlos. Man kann eine kostenlose Kopie eines Werkes auf eine Leinwand projizieren. Doch wenn man es lieber hochauflösend auf Großleinwand sähe? Oder gar in 3D? An PDF-Dokumenten ist nichts auszusetzen, aber manchmal ist es ein großes Vergnügen, dieselben Wörter auf strahlendweißem watteweichen Papier gedruckt und in Leder gebunden zu sehen. Das liegt so angenehm in der Hand. Und wenn man, während man in sein (kostenloses) Lieblingsgame vertieft ist, mit fünfunddreißig anderen Gamern in einem Raum sitzen könnte? Eine intensivere Verkörperung lässt sich auf unzählige Arten erreichen. Zwar kann das, was heute noch HD-Qualität ist und die Leute ins Kino lockt, schon morgen seinen Weg ins heimische Wohnzimmer finden, aber es wird immer neue überwältigende Vorführungstechnologien geben, die noch nicht bei Endverbrauchern angekommen sind. Laserprojektionen, Holografie, ja selbst das Holodeck. Und nichts wird so intensiv verkörpert wie Musik bei einem live Konzert von echten Menschen. Die Musik ist kostenlos; die körperliche Aufführung kostspielig. Dieses Schema setzt sich mehr und mehr durch, nicht nur bei Musikern, sondern auch bei Schriftstellern. Das Buch ist kostenlos – die Lesung oder der Vortrag sind kostspielig.</p>
<p><strong>Patronage</strong>: Ich glaube, dass das Publikum die Urheber bezahlen <em>möchte</em>. Fans möchten ihren Künstlern, Musikern, Schriftstellern usw. ein Zeichen ihrer Wertschätzung geben, denn das ermöglicht ihnen, mit diesen in Beziehung zu treten. Aber zahlen werden sie nur, wenn der Zahlungsvorgang keinerlei Umstände macht, wenn der Betrag angemessen ist und sie sich sicher sein können, dass das Geld unmittelbar den Urhebern zugute kommt. Die Band Radiohead hat kürzlich in einem weithin beachteten Experiment die Fans selbst entscheiden lassen, wie viel sie für eine kostenlose Kopie zahlen wollten – das ist ein Paradebeispiel für die Bedeutung von Patronage. Die flüchtige, schwer zu fassende Beziehung, die sich zwischen Anerkennung zollenden Fans und Künstlern entfaltet, hat einen Wert. Im Falle von Radiohead einen Wert von rund fünf Dollar je Download. Es ließen sich zahlreiche weitere Beispiele dafür finden, dass das Publikum zahlt, weil es sich gut anfühlt, zu zahlen.</p>
<p><strong>Auffindbarkeit</strong>: Während die zuvor aufgezählten Generative in den digitalen Kunstwerken selbst liegen, ist Auffindbarkeit etwas, das sich auf einer übergeordneten Ebene eine Rolle spielt, nämlich bei der Anhäufung zahlreicher Werke. Ein Preisschild mit einer Null darauf führt nicht dazu, dass ein Werk Beachtung findet – manchmal sogar zum Gegenteil. Aber ganz unabhängig vom Preis ist ein unbeachtetes Werk wertlos; unauffindliche Meisterwerke haben keinen Wert. Wo es Millionen Bücher, Millionen Songs, Millionen Filme, Millionen Softwareprogramme, Millionen von allem, das unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, gibt – und das meiste davon kostenlos – ist es wertvoll, auffindbar zu sein.</p>
<p>Die großen Aggregatoren wie Amazon und Netflix verdienen ihr Geld zum Teil damit, dass sie den Kunden dabei helfen, die Werke zu finden, die sie schätzen. Sie bringen das Gute am &#8220;Long Tail&#8221;-Effekt zur Geltung, der bekanntlich darin besteht, ein Nischenpublikum mit einem Nischenprodukt in Beziehung zu setzen. Doch leider hat der &#8220;Long Tail&#8221; nur für die Riesenaggregatoren und die größeren Aggregatoren auf der Zwischenebene, wie Verlage, Filmstudios und Plattenlabels ein Gutes. Für die Urheber selbst bringt der &#8220;Long Tail&#8221; nicht viel. Doch da Auffindbarkeit sich erst auf der Systemebene abspielt, sind Urheber auf Aggregatoren angewiesen. Deswegen werden Verlage, Filmstudios und Plattenlabels (kurz: VFP) nie von der Bildfläche verschwinden. Für den Vertrieb, dafür, die Kopien auszuteilen, sind sie nicht notwendig (dafür sorgt die Netzmaschine). Aber die VFP sind notwendig, um die Aufmerksamkeit der Nutzer den einzelnen Werken zuzuteilen. Aus einem Ozean von Möglichkeiten wählen die VFP Werke aus, fördern und verfeinern sie – Werke von Urhebern, von denen sie glauben, dass sie die Fans ansprechen werden. Auch andere Vermittler, wie Kritiker und Rezensenten lenken die Aufmerksamkeit. Fans greifen auf diesen vielschichtigen Auffindbarkeitsapparat zurück, um aus den Myriaden von Werken das Wertvolle herauszufinden. Es steckt Geld darin, Talente zu entdecken (mittelbar auch für die Urheber). Viele Jahre lang hat die Programmzeitschrift &#8220;TV Guide&#8221; mehr Geld eingespielt als die drei großen Sendergruppen, deren Programm sie listete, zusammengenommen. Die Zeitschrift nahm die Fernsehzuschauer an der Hand und zeigte ihnen, was es diese Woche Gutes in der Glotze gab. Und das war ja für die Zuschauer kostenlos verfügbar. Es besteht kaum Zweifel, dass in der Kostenloswelt neben den Mega-Aggregatoren viele VFP ihr Geld – zusätzlich zu den anderen Generativen – damit verdienen werden, dass sie Auffindbarkeit verkaufen.</p>
<p>Diese acht Eigenschaften erfordern neue Kenntnisse und Fähigkeiten. In der Welt der Kostenloskopien wird man seinen Erfolg nicht auf Distributionsfähigkeiten aufbauen können, denn für Vertrieb und Verbreitung wird die Große Kopiermaschine sorgen. Auch juristische Fähigkeiten im Umgang mit geistigem Eigentum und Copyright werden nicht mehr von Nutzen sein. Genauso wenig wie Kenntnisse im Horten und Verknappen. Stattdessen erfordern diese acht neuen Generative ein Verständnis dafür, wie Überfluss zu einer Mentalität des Teilens führt, wie Großzügigkeit zum Geschäftsmodell wird, wie wichtig es geworden ist, Dinge zu kultivieren und zu fördern, die nicht mit einem Mausklick vervielfältigt werden können.</p>
<p>Kurzum, das Geld generieren in dieser Netzökonomie nicht Kopien. Aufmerksamkeit generiert Geld, und Aufmerksamkeit folgt ihren eigenen Regeln.</p>
<p>Achtsamen Lesern wird aufgefallen sein, dass eines bisher nicht erwähnt wurde: Ich habe nicht von Werbung gesprochen. Werbung gilt weithin als die Lösung, ja beinahe als die <em>einzige</em> Lösung, für die Paradoxie des Kostenlosen. Die meisten Vorschläge, die ich bislang zur Überwindung des Kostenlosen gehört habe, gehen auf die eine oder andere Art von Werbung aus. Ich bin der Meinung, dass Werbung lediglich eine bestimmte Ausformung von Aufmerksamkeit ist, und langfristig wird sie nur ein Teil der neuen Arten sein, Geld zu verdienen, indem man Kostenloses verkauft. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Unter der schaumigen Oberfläche der Werbung werden diese acht Generative den allgegenwärtigen kostenlosen Kopien einen Wert geben und es lohnend werden lassen, für sie zu werben. Diese Generative sind auf alle digitalen Kopien anwendbar, aber auch auf all die Kopien, deren Grenzkosten gegen null tendieren. (Mehr dazu in meinem Aufsatz &#8220;<a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2007/11/technology_want.php" target="_blank">Technology Wants to Be Free</a>&#8220;). Auch Industrien, die materielle Güter produzieren, sehen sich zunehmend in einer Situation wo die Kosten für die Vervielfältigung sich an null annähern, so dass auch diese sich wie digitale Kopien verhalten werden. Dies ist seit Kurzem bei Landkarten der Fall. Bald wird es auch in der Genetik so sein. Kleingeräte und Apparate, zum Beispiel Handys, befinden sich auf dem Weg dahin. Die pharmazeutische Industrie ist bereits an diesem Punkt, will es aber geheim halten. Eine Pille herzustellen, kostet nichts. Bei Arzneimitteln zahlen wir für Authentizität und Unmittelbarkeit. Und eines Tages werden wir für Personalisierung zahlen.</p>
<p>Die Generative zu unterhalten ist sehr viel aufwendiger, als in einer Fabrik Kopien zu fertigen. Es gibt noch viel zu lernen, viel herauszufinden.</p>
<p>Veröffentlicht am 31. Januar 2008.<br />
<em>Deutsche Übersetzung von Thomas Rohde am 24. August 2009.</em></p>
<p><em>Im letzten Satz der englischen Version seines Aufsatzes fordert Kevin Kelly seine Leser auf, mit ihm über seine Thesen in Diskussion zu treten. Unter den zahlreichen <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php#comments" target="_blank">Leserkommentaren</a>, die sich auf Kevin Kellys Blog angesammelt haben, finden sich viele streitbare und interessante Positionen. Unter anderem Vorschläge für weitere Generative wie Gemeinschaft und Nutzerfreundlichkeit. Um zu dieser Diskussion beizutragen, schlage ich vor, eventuelle Kommentare zu Kellys Thesen <a href="http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php#comments" target="_blank">dort</a> einzubringen (auch wenn Kommentare natürlich auch hier willkommen sind).</em></p>
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		<item>
		<title>Die Zeitungsindustrie ist ihrer Zeit voraus (anno 1994)</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 10:54:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[eReader]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Fidler]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Der US-Mediengigant Knight Ridder (gegründet 1933 von John S. Knight und Herman Ridder und damit gänzlich unschuldig daran, dass der Firmenname heute etwas lächerlich klingt) hat tief in die Zukunft geblickt und anno 1994 eine Vision von kommenden Dingen in der Zeitungsindustrie vorgelegt. Vieles, was das Unternehmen (zeitweise der zweitgrößte Zeitungsverlag der Vereinigten Staaten) damals [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der US-Mediengigant <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Knight_Ridder" target="_blank">Knight Ridder</a> (gegründet 1933 von John S. Knight und Herman Ridder und damit gänzlich unschuldig daran, dass der Firmenname heute etwas <a href="http://www.youtube.com/watch?v=c1MZeNemQ3Y" target="_blank">lächerlich</a> klingt) hat tief in die Zukunft geblickt und anno 1994 eine Vision von kommenden Dingen in der Zeitungsindustrie vorgelegt. Vieles, was das Unternehmen (zeitweise der zweitgrößte Zeitungsverlag der Vereinigten Staaten) damals präsentierte, wirkt heute – Jahrhunderte später – beeindruckend aktuell: <span id="more-376"></span></p>
<p>Ob das mutmaßlich kurz vor seinem launch stehende Apple Tablet je so cool sein wird wie das in diesem Video vorgestellte Tablet Newspaper? Schicker als Amazons Kindle DX und andere e-Reader ist das Knight Ridder Tablet allemal.</p>
<p><object id="VideoPlayback" style="width: 400px; height: 326px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="100" height="100" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://video.google.com/googleplayer.swf?docid=-4176721009838609904&amp;hl=en&amp;fs=true" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="VideoPlayback" style="width: 400px; height: 326px;" type="application/x-shockwave-flash" width="100" height="100" src="http://video.google.com/googleplayer.swf?docid=-4176721009838609904&amp;hl=en&amp;fs=true" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Auch wenn das Tablet Newspaper noch ganz ohne Internetanbindung auskommen sollte: Die Ideen und (simulierten) Technologien in diesem Video wirken zum Teil auch heute noch wegweisend (im Gegensatz zur Krawatten- und Frisurenmode). Verwirklicht wurde das Tablet Newspaper allerdings nie, was nach <a href="http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601109&amp;sid=arIIt._chi0E" target="_blank">Auskunft</a> des – im Clip gezeigten – Knight-Ridder-Laborleiters Roger Fidler am damaligen technischen Stand der Displaytechnologie lag: Die Screens waren zu schwer und zu stromdurstig. Bereits 1995 wurde das Projekt eingestellt. Knight Ridder wurde 2006 vom Medienunternehmen <a href="http://www.mcclatchy.com/" target="_blank">McClatchy</a> aufgekauft.</p>
<p>(via <a href="http://mashable.com/2009/08/22/knight-ridder-tablet/" target="_blank">mashable</a>)</p>
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		<title>Lesenswert: Mangelnde Digitalkompetenz bedroht Buchindustrie</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 10:19:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesenswert]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Skillset]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Buchbranche ist bedroht: Inmitten der Umwälzungen, die der Medienwandel bewirkt, fehlt es ihr an digitaler Kompetenz. Dies ist das Fazit einer Studie (pdf), die die britische Ausbildungs- und Kompetenzinitiative der der Kreativmedienbranche Skillset in diesem Monat veröffentlicht hat. Im britischen Branchenmagazin The Bookseller stellt Catherine Neilan deren Erkenntnisse lesenswert vor: Sowohl das Verständnis neuer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Buchbranche ist bedroht: Inmitten der Umwälzungen, die der Medienwandel bewirkt, fehlt es ihr an digitaler Kompetenz. Dies ist das Fazit einer Studie (<a href="http://www.skillset.org/uploads/pdf/asset_13980.pdf?1" target="_blank">pdf</a>), die die britische Ausbildungs- und Kompetenzinitiative der der Kreativmedienbranche <a href="http://www.skillset.org/" target="_blank">Skillset</a> in diesem Monat veröffentlicht hat. Im britischen Branchenmagazin The Bookseller stellt Catherine Neilan deren Erkenntnisse lesenswert <a href="http://www.thebookseller.com/news/94322-digital-skills-gap-now-critical-for-publishers.html" target="_blank">vor</a>:<span id="more-347"></span></p>
<p>Sowohl das Verständnis neuer digitaler Angebote als auch die Auswirkungen der Digitalisierung etwa auf Urheberrechtsfragen seien durch einen Mangel an Offenheit gegenüber neuen Technologien bedroht. Dies hänge auch mit sozialen Faktoren und der Einstellungs- und Ausbildungspolitik der Verlage zusammen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Suzanne Ashley, Skillset publishing sector manager, said the report had revealed specific problem areas within training and recruitment. She said: »There are those who know the business really well — often those who are more experienced, middle-management types — who are very uncomfortable with the wholly changing digital landscape.« However, Ashley stressed the need for a balance of experience between »strong core strategy skills« and those with a »fresher perspective«&#8221;</p></blockquote>
<p>Dabei erschwerten auch das im Vergleich zu anderen Branchen niedrige Lohnniveau der Buchindustrie sowie der Hang zu einer informellen Einstellungspraxis und die Gängigkeit unbezahlter Praktika die Rekrutierung digitalkompetenten Nachwuchses. Dazu dürften gegenseitige Vorurteile durch den tiefen Graben der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwei_Kulturen" target="_blank">Zwei Kulturen</a> kommen: Viele alteingesessene Verlagsmitarbeiter sehen nicht gerade Geistesverwandte in jungen IT-Absolventen. Diese blicken ihrerseits oft nicht mit der größten Sympathie auf die &#8220;etwas hausbackene&#8221; Branche:</p>
<blockquote><p>&#8220;The industry’s reputation as somewhat staid was also a factor, [Suzanne Ashley] said. »Graduates are having their heads turned by film, computer games, interactive media—there is a perception that publishing is old-fashioned, which turns people off a bit.«&#8221;</p></blockquote>
<p>Während sich die Skillset-Studie auf die Situation in Großbritannien bezieht, dürfte das meiste auch für die deutschsprachige Verlagslandschaft gelten. Dass hierzulande die spannendsten Berührungen zwischen digitalen Medien und Buchindustrie nicht in den etablierten Verlagen entstehen, sondern Startups sind, scheint diese These zu belegen: Man denke nur an <a href="http://txtr.com/" target="_blank">txtr</a>, <a href="http://www.textunes.de" target="_blank">textunes</a> und <a href="http://paperc.de/" target="_blank">PaperC</a>.</p>
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		<title>Lesenswert: Jörg Gerschlauer fordert Enthusiasmus für E-Books</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 10:18:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Rohde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lesenswert]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[DRM]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Gerschlauer]]></category>
		<category><![CDATA[libreka]]></category>
		<category><![CDATA[MVB]]></category>
		<category><![CDATA[Pricing]]></category>
		<category><![CDATA[RIAA]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Diskussionen über DRM und die Preisgestaltung von E-Books sind notwendig und wichtig, meint Jörg Gerschlauer, Vertriebsleiter des MVB (zu dem auf die E-Book-Plattform libreka gehört), in einem Diskussionsbeitrag auf der Website des Börsenblatts. Wichtiger wäre aber für die Branche, die Beschäftigung mit E-Books nicht als Pflichtübung zu verstehen, sondern ein wenig Enthusiasmus für die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Diskussionen über DRM und die Preisgestaltung von E-Books sind notwendig und wichtig, meint Jörg Gerschlauer, Vertriebsleiter des <a href="http://www.mvb-online.de/" target="_blank">MVB</a> (zu dem auf die E-Book-Plattform <a href="http://www.libreka.de/" target="_blank">libreka</a> gehört), in einem <a href="http://www.boersenblatt.net/332394/" target="_blank">Diskussionsbeitrag</a> auf der Website des Börsenblatts. Wichtiger wäre aber für die Branche, die Beschäftigung mit E-Books nicht als Pflichtübung zu verstehen, sondern ein wenig Enthusiasmus für die neue Technologie und die mit ihr verbundenen Chancen (und Fragen) aufzubringen:<span id="more-308"></span></p>
<blockquote><p>&#8220;Der entscheidende Punkt ist doch, dass wir – und damit meine ich die gesamte Branche – eine größere Lust aufs E-Book erzeugen müssen. Und dazu brauchen wir sie in allererster Linie bei uns selbst. Damit meine ich kein Abspulen eines Pflichtprogramms […], sondern die Art von Enthusiasmus und Entdeckerfreude, die sich auch davon nicht entmutigen lässt, dass auf absehbare Zeit wohl (noch) niemand mit E-Books allein reich und berühmt wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>Tatsächlich: Wenn die Branche gegenüber den Konsumenten vor allem als Spaßbremse auftritt, wird das ihrem Ansehen nicht gut tun. Der mächtige Verband der amerikanischen Musikindustrie <a href="http://www.riaa.org/ " target="_blank">RIAA</a> macht vor, wie man sich als Branche unbeliebt macht, wenn man neuen Technologien, denen die Verbraucher offener gegenüberstehen als man selbst, vor allem mit Ängsten und Restriktionen begegnet. <a href="http://arstechnica.com/tech-policy/news/2009/07/big-content-ridiculous-to-expect-drmed-music-to-work-forever.ars" target="_blank">Arrogante Äußerungen</a> von Branchenvertretern können ja geradezu Lust auf Piraterie machen.</p>
<p>Sauertöpfisches Auftreten und bremsende Bedenkenträgerei, wie sie in der deutschen Buchindustrie bei E-Book-Themen leider verbreitet sind, ebenso. Insofern täte sich die deutsche Buchbranche mit einer offeneren, positiveren Haltung zur technologischen Innovation tatsächlich selbst einen Gefallen: Wer will, dass die Verbraucher Kunden bleiben, muss freundlich und offen auftreten.</p>
<p>Wie sehr Gerschlauer da allerdings pro domo argumentieren muss, zeigt die doch recht missgelaunte Überschrift, unter die die Börsenblattredaktion (eh nicht die Vorhut des Technologieoptimismus) seinen wichtigen Beitrag gestellt hat: &#8220;Operation gelungen, Patient tot&#8221; – Klingt nicht nur positiv, sondern ist zudem originell.</p>
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