Google Editions: Erste offizielle Informationen

Google hat die ersten detaillierten Informationen über sein geplantes Programm Google Editions bereitgestellt. Mit Google Editions will der Internetkonzern vom kommenden Jahr an in Zusammenarbeit mit Verlagen digitale Bücher zum Kauf anbieten.  In einem “Getting Started With Google Editions” betitelten Artikel auf den offiziellen Hilfeseiten zu Google Booksearch werden den kooperierenden Verlagen nun die Einstellmöglichkeiten vorgestellt, mit denen sie festlegen können, welche Titel sie zu welchen Konditionen als ‘Google Edition’ anbieten möchten.

Im Juli dieses Jahres hatte Google das Projekt skizziert, auf der Tools of Change-Konferenz im Frankfurt im Oktober dann etwas genauer ausgemalt. Wie bei beiden Anlässen beschrieben, sollen die Nutzer von Google Editions wie bei Google Booksearch die Möglichkeit haben, ins angebotene Buch hinein zu schauen. Zusätzlich können sie den Titel jedoch als digitales Buch erwerben. Dabei wird allerdings nicht ein Dokument gekauft, sondern lediglich ein Zugang zum digitalen Buch. Ein Download findet also nicht statt, das Buch bleibt ‘in the cloud’ und wird lokal nur im Cache gespeichert. Google beschreibt dies wie folgt:

“After purchase, the book will live in the consumer’s online bookshelf, available to be accessed and read on most devices with internet access and a web browser; as well as on supported partner devices (to be announced during our public launch).”

Ohne Internetzugang und einen lauffähigen Browser ist die Benutzung von Google Editions also nicht möglich. Angesichts der Tatsache, dass nicht alle auf dem Markt verfügbaren eReader diesen bieten oder nur ‘experimentelle’ Browser besitzen, ist dies eine Information von einiger Tragweite. Hinsichtlich der Hardware macht neugierig, was Google in Klammern ankündigt: Welche Geräte werden die “supported partner devices” sein? (Ich würde einiges wetten, dass das Google Handy dazugehören wird. Auf Amazons Kindle würde ich angesichts der Auseinandersetzung, die sich beide Konzerne bei der Diskussion über das Book Settlement geleistet haben, dagegen nicht setzen).

Verlage und Rechteinhaber, die bereits am Partner Programm von Google Books teilnehmen, können nun in ihrem Partner Program Account festlegen, ob sie ihre bei Google Books eingestellten Bücher über Google Editions verkaufen wollen. Dazu müssen sie allerdings einem Vertragszusatz (“Google Editions Addendum“) zustimmen.

Auch die Konditionen, wie etwa die Preisgestaltung der über Google Editions angebotenen Bücher, können dort eingestellt werden. Als Grundeinstellung schlägt Google einen Preis in Höhe von 80% der günstigsten Printausgabe des betreffenden Titels vor. Abweichungen davon sind möglich. Preisen, die über denen der gedruckten Ausgabe liegen, schiebt Google allerdings einen Riegel vor:

“Unless you specify otherwise, the default price is set at 80% of the lowest list price of the print book upon which the Google Edition is based. [...] Please note that we do not allow partners to set a list price higher than 100% of the lowest print price.”

Bezüglich der Preisgestaltung übt Google schon in diesen ersten offiziellen Informationen einen sanften argumentatorischen Druck auf die kooperierenden Verlage aus: Man möge doch bedenken, dass ein als ‘Google Edition’ verkauftes Buch vom Endkunden als weniger werthaltig empfunden werden würde als Printausgaben (“We encourage you to consider the perceived value of the Google Editions of your titles for users and set prices accordingly.”). Dieser Aufruf, die Preise vom Kunden her zu denken, ist angesichts der anhaltenden Debatten über die Preisgestaltung von Ebooks bestimmt nicht überflüssig.

Google behält sich das Recht vor, die bei Google Editions angeboteten Bücher ohne Rücksprache mit den Kooperationspartnern zu rabattieren. Auch bei einem Preisnachlass werden die Kooperationspartner allerdings vergütet, als wäre das Buch zum Listenpreis verkauft worden. Darüber hinaus behält sich Google vor, selbst darüber zu entscheiden, ob es die von den Kooperationspartnern zum Verkauf freigegebenen Bücher tatsächlich verkauft.

Interessant, und meiner Ansicht nach wegweisend, ist die Möglichkeit, die ‘Google Edition’ eines Titels mit einer Druckausgabe zu koppeln und beides im “Bündel” zu verkaufen. Für solche Bündelangebote können die Partnerverlage abweichende Preise angeben:

“Retailers may choose to sell your Google Editions book in a bundle with the print copy. This setting allows you to specify the percentage of the Google Editions list price that you would like to charge when the print and digital editions are sold together. For example, if you are selling a Google Edition for $15, you may decide that a customer making a print edition purchase from an online retailer will be willing to pay an additional $4.50 on top of the print edition purchase price to receive the digital edition as well. If so, you will want to enter “30%” into this field.”

Google stellt den kooperierenden Verlagen frei, ob sie die auf Google Editions eingestellen Bücher mit einen Digitalen Rechtemanagement (DRM) schützen wollen oder nicht. Google Editions plane, das DRM-System ACS4 von Adobe zu unterstützen. Auch der Umfang, in dem die Endkunden in den als Google Edition gekauften Büchern mit Copy & Paste arbeiten oder das Buch ausdrucken können, kann von den Partnerverlagen festgelegt werden.

(via mobileread)

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3 Kommentare zu “Google Editions: Erste offizielle Informationen”

  1. Klaus Wrede

    Hallo,

    nach meinem Verständnis sind Filedownloads durchaus möglich, oder lese ich dies falsch:

    2.5 Download of Purchased Content. You agree that Google may provide download files of Purchased Content to Authorized End Users, Authorized Resellers and to E-Reader Devices directly and through third parties on behalf of Authorized End Users that purchased the Purchased Content. You must elect in the Publisher Account either to allow download of the Purchased Content with Digital Rights Management (“DRM”) restrictions or to allow download of Purchased Content without DRM restrictions.

  2. Thomas Rohde

    Lieber Herr Wrede,

    tatsächlich räumen die Partnerverlage Google, wie Sie zitieren, in dem Addendum das Recht ein, den Content auch zum Download bereitzustellen. Auch die Möglichkeit, den bei Google Editions eingestellten Content per Adobe DRM zu schützen, würde meiner Ansicht nach auf eine Download-Möglichkeit hindeuten. Andererseits beschreibt Google das Funktionieren von Edition explizit als ein Webangebot ohne Download und weist in diesem Zusammenhang sogar darauf hin, dass dies auch als eine Art eigenes DRM zu verstehen sei:

    “Once a Google Edition is purchased and is added to a consumer’s bookshelf, it can only be accessed when the consumer logs into his or her Google Account. When Google Editions are purchased on our site, a Google Account is needed to access the content, reducing the likelihood that consumers will share their login information with others. Each consumer’s Google Edition has a unique coding that caches the book when it is accessed through a browser (as opposed to a digital download; see more information on file protection here). This means that the Google Edition is broken down into fragments and temporarily stored in – and accessed through – the browser window. The Google Editions web experience, therefore, is not that of a file download – it is an experience that is optimized for reading in the browser. This allows Google to detect and protect against abuse of each Google Edition.” (Meine Hervorhebung, T.R., Quelle)

    Möglich, dass mit der von Ihnen zitierten Download-Klausel der technische Vorgang des Zugriffs auf den Cloud Content mit lokaler Speicherung im Cache gemeint ist. Das würde aber nicht die Frage klären, inwiefern Verlage auf etwas, was ohnehin durch den Cloud-Zugriff in gewisser Weise DRM’ed ist, noch ein Adobe DRM obendraufpacken sollen, das m.E. nur bei ‘echten’ Filedownloads sinnvoll wäre.

    Mir scheint die Beschreibung von Google Editions daher widersprüchlich oder zumindest missverständlich: Reiner Cloud Service oder (auch) Filedownload? Der Cloud Service scheint mir jedenfalls im Vordergrund zu stehen, da ganz überwiegend von ‘access’, nicht von ‘download’ die Rede ist.

    Kann irgendjemand das genauer erklären?

  3. Lesenswert: Interview über Google Editions in Deutschland – bewegliche lettern

    [...] Google Editions: Erste offizielle Informationen [...]

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