BnF vs. DDB – 150 : 5

Mit rhetorischem Pomp hat die Bundesregierung Anfang Dezember die Einrichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) angekündigt. Aus dem Konjunkturprogramm II lässt die Regierung dafür ab 2011 eine Anschubfinanzierung von €5 Mio springen, danach sollen Bund und Länder jährlich 2,6 Mio aufbringen. Jetzt legt Frankreich Zahlen für seine Digitalisierungsoffensive vor: Wie “The Bookseller” berichtet, sollen €750 Mio für die Digitalisierung von Kulturgut zur Verfügung gestellt werden, davon allein €150 Mio für die Bibliothèque nationale de France (BnF). Wie die deutsche soll auch die französische Digitalisierungsoffensive  zur gemeinsamen europäischen Digitalbibliothek Europeana beitragen.

Im direkten Vergleich ist die Summe, die die deutsche Regierung bereitstellen will, verschwindend klein. Aber der direkte Vergleich ist zugegebenermaßen nicht ganz fair. Denn die für die DDB genannte Investitionssumme soll im Unterschied zur französischen Investition gar nicht der Digitalisierung dienen, sondern der Einrichtung und dem Betrieb der zentralen Infrastruktur, die die digitalen Ressourcen von 30.000 öffentlichen Einrichtungen vernetzen soll.

Womit die Digitalisierung dieser digitalen Ressourcen in der deutschen Initiative  finanziert werden soll, bleibt bisher recht wolkig. Im wesentlichen scheint die Bundesregierung hierfür wie bisher die einzelnen Institutionen, die die DDB vernetzen soll, in der Pflicht zu sehen. Überdies soll die Zusammenarbeit mit privaten Geldgebern möglich sein. Etwa mit Google, wie das “Börsenblattrecht plausibel vermutet. Die einschlägige Passage in den offiziellen Informationen zur DDB lautet wie folgt:

“Für die Digitalisierung von Kulturgut / wissenschaftlicher Information, die bisher weitgehend über die Etats der Kultur- / Wissenschaftseinrichtungen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert werden, sollen künftig auch private Geldgeber gewonnen werden.”

Ehe dazu nicht genauere Informationen vorliegen, muss man fairerweise also die französischen €150 Mio eher deutschen €0 gegenüberstellen.  – Zumal auch die französischen Bibliotheken bei der Digitalisierung auf eine Zusammenarbeit mit Google setzen.

Auch wenn man außer Acht lässt, dass eine konsequente Überführung von Kulturgut von der Papier- in die digitale Welt kaum ohne Veränderungen des Urheberrechts zu machen wäre: Selbst was urheberrechtsfreie und daher ohne großen Verwaltungsaufwand digitalisierbare Werke angeht,  ist die bisherige Bilanz eindeutig, wie ein paar unrepräsentative Suchen in der Europeana belegen:

Reiche Beute bei französischen Autoren, Fehlanzeige bei deutschsprachigen: Die BnF hat mit ihrem großartigen, seit 1997 laufenden Gallica-Projekt schon jetzt sehr viel mehr zur Europeana beigesteuert als die deutschen Bibliotheken. Zu erwarten ist, dass sie diesen Vorsprung ausbauen wird. Für alle, denen Literatur am Herz liegt, ist die französische Investition sehr erfreulich. Ein Engagement von deutscher Seite, das wenigstens in der gleichen Liga spielt, wäre ebenso erfreulich.

Aber wie gesagt, der Vergleich ist nicht ganz fair. Und ausserdem war das Spielfeld uneben. Allez les bleus.

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