Felicitas Hoppe: Verlage sollten Autoren Digitalwelt erklären

Verlage sollten ihren Autoren die neuen Herausforderungen und Chancen der digitalen Welt erklären, fordert die Schriftstellerin Felicitas Hoppe. Insbesondere bei der Diskussion über den Heidelberger Appell habe sie sich schlecht informiert gefühlt und von ihrem Verlag Aufklärung erhofft, sagte die Schriftstellerin am Montag auf einer Podiumsdiskussion im Literaturhaus Berlin aus Anlass des Erscheinens von Detlef Bluhms “Von Autoren, Büchern und Piraten“.

Tatsächlich trifft Hoppe damit meines Erachtens einen wichtigen Punkt. Während sich die deutschsprachigen Publikumsverlage in der letzten Zeit verstärkt mit dem Digitalen auseinandersetzen und in den Feuilletons Diskussionen über Urheberrecht und Google Settlement einen festen Platz eingenommen haben, hört man dazu bisher nur bedauerlich wenige Wortmeldungen von literarischen Autoren. Der Verdacht liegt nahe, dass dies auf ein Informationsdefizit zurückzuführen ist – und vielleicht auch auf eine Unlust der Autoren, sich mit so verwickelten wie profanen Fragen der Verwertung ihrer Werke auseinanderzusetzen.

Die hochkomplexen Sach- und Debattenlagen (Stichwort: Book Settlement) erfordern tatsächlich ein hohes Maß an Hingabe und kontinuierlicher Auseinandersetzung. Leisten kann das beinahe nur, wer dafür bezahlt wird. Neben den Experten aus den Interessenverbänden der Autoren sind daher auch die Experten in den Verlagen in der Pflicht, die Autoren zu informieren. Das wäre aus Verlagssicht nicht nur sinnvoll, um das Vertrauen der Autoren in die Verlage zu fördern. Gerade weil die öffentliche Debatte über den digitalen Medienwandel über weite Strecken ohne die Protagonisten des literarischen Betriebes stattfindet, wären die Verlage gut beraten, wenn sie wenigstens intern die Diskussion mit ihren Autoren über diese Dinge suchen würden.

Dabei sollten die Verlage nicht nur dem Hinweis von Felicitas Hoppe folgen und ihren Autoren erklären, welche Strategien sie im Bereich des digitalen Publizierens verfolgen und was dies für die Autoren selbst bedeutet. Mehr noch, die Verlage sollten mit ihren Autoren offene Diskussionen über ihre digitalen Pläne führen und auf ihre Sorgen und Wünsche Rücksicht nehmen. Schon alleine damit sie nicht am Ende feststellen müssen, dass sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Denn wenn sie die Aufklärungsarbeit über den Medienwandel anderen überlassen, könnte sich herausstellen, dass die Autoren einseitig – und nicht unbedingt zu ihrem Vorteil – informiert wurden. Nach wie vor verblüffend ist ja die Anzahl derer, die ihren Namen unter den so undifferenzierten wie fundamentalistischen Heidelberger Appell gesetzt haben.

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Ein Kommentar zu “Felicitas Hoppe: Verlage sollten Autoren Digitalwelt erklären”

  1. Leander Wattig

    Sehe ich auch so. Das Problem ist aber, dass auch viele Verlage sich nicht genug damit beschäftigen. Zudem bedeutet so manche Entwicklung, dass die Leistungen eines Verlages kritisch hinterfragt werden könnten/müssten. Das dürfte ebenfalls den Erklärwillen bremsen.

    Wir machen aus genau dem Grund inzwischen Workshops bei Verlagen, die eine Untertützung bei der Erklärung der digitalen Trends wünschen – sei es für die Mitarbeiter oder die Autoren.

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