Kindle 1984: Amazon einigt sich mit Klägern, will brav sein

Mit einer außergerichtlichen Einigung geht Amazon nach einer umstrittenen eBook-Löschaktion einer drohenden Sammelklage aus dem Weg, wie der Technologieblog Techflash berichtet. Im Juli hatte Amazon ohne vorherige Warnung per Mobilfunkzugang eBooks von allen im Umlauf befindlichen Kindle-Readern gelöscht. Dagegen hatten Kindle-Nutzer Klage eingereicht, die den Status einer Sammelklage anstrebte. In der nun vorgelegten Einigung, der das Gericht noch zustimmen muss, verpflichtet sich Amazon juristisch, zukünftig auf ähnliche Löschaktionen zu verzichten.

Einer der Kläger, Justin Gawronski, war nach eigener Darstellung von der Löschaktion in besonderem Maße betroffen gewesen, da zusammen mit dem von Amazon zurückgezogenen und gelöschten eBook, George Orwells “Nineteen Eighty-Four”, auch seine persönlichen Notizen und Randbemerkungen gelöscht worden waren, die er zu diesem Text auf seinem Kindle angelegt hatte.

Der von Techflash dokumentierte Text der Einigung (pdf), lässt Amazon künftig nur wenig Spielraum für heimliche Löschzugriffe:

“Amazon will not remotely delete or modify such Works from Devices purchased and being used in the United States unless (a) the user consents to such deletion or modification; (b) the user requests a refund for the Work or otherwise fails to pay for the Work (e.g., if a credit or debit card issuer declines to remit payment); (c) a judicial or regulatory order requires such deletion or modification; or (d) deletion or modification is reasonably necessary to protect the consumer or the operation of a Device or network through which the Device communicates (e.g., to remove harmful code embedded within a copy of a Work downloaded to a Device).”

Zusätzlich verpflichtet sich Amazon, 150 000 US-Dollar an die Anwälte des Klägers zu zahlen, die diese zumindest teilweise einer wohltätigen Organisation spenden. Angaben über eine eventuelle Zahlung an Gawronski und den zweiten Kläger sind aus dem Text der Einigung nicht zu entnehmen.

Angesichts eines gerüchteweise bevorstehenden Launchs des Kindle in Europa fällt ins Auge, dass die Gültigkeit dieser Erklärung ausdrücklich auf das US-Territorium beschränkt ist. Dennoch müssen sich Kindle-Nutzer außerhalb der USA wohl kaum Sorgen um einen Rückfall des Online-Buchhändlers machen: Zu tief dürfte bei Amazon der Stachel stecken.

Nachdem sich Amazon-CEO Jeff Bezos persönlich für die Löschaktion entschuldigt hatte und Amazon den geschädigten Kindle-Nutzern die Wiederherstellung der gelöschten Daten oder eine Gutschrift in Höhe von 30 US-Dollar angeboten hatte, zieht diese außergerichtliche Einigung einen Schlussstrich unter die für Amazon peinliche Panne.

Der Skandal um Amazons heimliche Löschaktion hat das Verdienst, klargemacht zu haben, wie prekär die Privatsphäre und die Besitz- oder Nutzungsrechte sind, die die Nutzer von “tethered devices” wie dem Kindle-Reader, an den von ihnen erworbenen Inhalten haben.

(via teleread)

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