Das Wissen des Papierzeitalters

Ein Lesehinweis in eigener Sache: In The European erscheint heute ein Gastbeitrag von mir, in dem ich vorschlage, über eine Schrankenreglung im Urheberrecht nachzudenken, die es generell ermöglicht, vergriffene literarische Werke zu digitalisieren, um sie von Suchmaschinen erfassen zu lassen.

Dahinter stecken zwei Thesen. Einerseits, dass sich die Bedeutung von Öffentlichkeit geändert hat: Das Netz ist ein wesentlicher Teil der Öffentlichkeit. Kann man eigentlich noch mit Recht davon sprechen, ein Werk sei veröffentlicht, wenn es im Netz keine Spuren hinterlässt? Andererseits: Der Begriff von Wissen hat sich verändert. Wissen heißt zunehmend weniger, etwas auswendig im Kopf zu haben, sondern Recherchewege zu beherrschen, die das jeweils Erforderte zutage fördern. Das im Papierzeitalter veröffentlichte Wissen öffentlich zu halten, bedeutet deswegen, es im Netz auffindbar zu machen.

Überrascht hat mich die Position von Matthias Ulmer, der daran zweifelt, dass das in Bibliotheken gesammelte Wissen grundsätzlich bewahrenswert ist: In seinem Beitrag argumentiert er, dass das Wissen des Papierzeitalters zu einem guten Teil überflüssig sei:

“Der größte Teil der Bücher in Bibliotheken wird nie mehr ausgeliehen. Weil die einfach niemand braucht.”

Dann könnte man ja gleich hingehen und alle Bücher, die in den letzten fünf Jahren nicht entliehen wurden, aus den Bibliotheken entfernen. Endlich wieder Platz im Regal! Soweit geht Ulmer freilich nicht. Aber spricht es für eine hohe Meinung von den Leistungen der Autoren, wenn er behauptet, dass es unwichtig ist, ob ihre Werke jetzt oder erst zwei Tage vor St. Nimmerlein (um fair zu sein: er sagt “in zwanzig Jahren”) digital zugänglich werden?

Da Kommentieren bei The European etwas beschwerlich ist, schlage ich vor, Kommentare zu meinem Gastbeitrag hier zu hinterlassen.

Abgelegt unter: Lesenswert, Medienwandel, Urheberrecht | Tags: , Kommentare deaktiviert

Comments are closed.

Back to top