Sony schaltet sich in Book Settlement Streit ein, will mitverdienen

Sony hat sich in die Auseinandersetzung über das Google Book Settlement eingeschaltet. Nachdem sich vor kurzem Microsoft, Yahoo und Sony-Konkurrent Amazon im Rechtsstreit um das Book Search Settlement gegen Google gestellt hatten, hat nun Sony an der Seite des Suchmaschinen-Konzerns Position bezogen.

Wie Wired soeben berichtet, hat Sony beim zuständigen Richter einen Amicus Curiae-Brief angekündigt, mit dem der Elektronik-Konzern als unbeteiligte, aber interessierte Partei seine Sicht der Dinge ins Verfahren einbringen will. In dem von Wired veröffentlichten Brief an den Richter (pdf) hebt Sony hervor, dass das Book Settlement einen positiven Effekt auf den E-Reader-Markt haben werde:

“In Sony Electronics’ view, the cooperative and mutually beneficial relationship the Settlement forges between Google and the copyright holders in the proposed class may have a profoundly positive impact on the market for e-book readers and related devices.”

Gemeint dürfte damit in erster Linie wohl ein positiver Effekt auf das von Sony selbst angebotene E-Book-Lesegerät sein. Dessen neueste Version namens Daily Edition nämlich hat eine Funktion eingebaut, über die der Reader (vorerst nur in den USA) über eine drahtlose Netzanbindung auf die E-Book-Bestände öffentlicher Bibliotheken zugreifen kann. Damit verfügt die neueste E-Reader-Generation von Sony über ein Merkmal, das sie von den Geräten der Mitbewerber abhebt – insbesondere vom US-Marktführer, Amazons Kindle.

Dieses Alleinstellungsmerkmal begründet ein besonderes Interesse des Konzerns an den E-Book-Beständen der Bibliotheken. Je leichter der Zugriff auf (möglichst kostenlosen) Content, desto attraktiver die Hardware. Nach dieser Regel ist der Marktvorteil von Sonys E-Reader umso größer, je mehr Bücher in einer Bibliothek als E-Book vorliegen. Durch eine Zusammenarbeit mit Google konnte Sony bereits in der Vergangenheit vom Book Search-Programm profitieren: Google stellt seit vergangenem März 500.000 nicht mehr dem Copyright unterliegende Werke auf den Sony Readern zur Verfügung.

Das Book Settlement würde ermöglichen, diese Zusammenarbeit auch auf copyrightgeschützte Bücher auszuweiten. Bücher, die im Druck sind und unter Copyright stehen, sollen nach der im Settlement ausgehandelten Abmachung über Online-Buchhändler zu kaufen oder Bibliotheken ausleihbar sein. – Den Nutzern des neuesten Sony Readers also via Bibliothekszugang gratis zur Verfügung stehen. Ebenso wie die umstrittenen verwaisten, also nicht mehr im Handel befindlichen, aber noch durch Copyright geschützten Werke, die Google auf Grundlage des Settlements digitalisieren und anbieten wird.

Googles digitale ‘Bibliothek’ dürfte auf lange Sicht eher einem Buchladen gleichen. Darauf hat unlängst Lawrence Lessig in einem Vortrag über das Google Book Settlement hingewiesen:

“We’re building into this not so much a digital library but a digital bookstore.”

Den Zugriff auf die digitalisierten Bücher will Google nach eigenem Bekunden an Bibliotheken verkaufen. Die Monopolposition, die Googles digitale Megabibliothek einnehmen könnte, zählt deshalb zu den größten Sorgen von Gegnern des Book Settlements außerhalb der Konzernwelt. So zitiert BBC News den Gründer der Non-Profit-Organisation Internet Archive Brewster Kahle mit den Worten:

“Google is trying to monopolise the library system. […] If this deal goes ahead, they’re making a real shot at being ‘the’ library and the only library.”

Die Bibliotheken würden sich einem Angebot gegenübersehen, das sie, wie die Library Copyright Alliance befürchtet, selbst unter einem Preisdiktat kaum würden ablehnen können. Die Kosten für den Content würden dann die Bibliotheken tragen. Nutzer eines Lesegeräts mit Bibliotheksanschluss dagegen hätten den gesamten elektronischen Bibliotheksbestand kostenlos zur Verfügung. Finanziell wären sie lediglich über ihre Bibliotheksgebühr (und, natürlich, die allgemeinen Steuern) beteiligt. (Als ein Ansatz zu einem Kulturflatrate-Modell ist das übrigens einen Gedanken wert.)

Ein Lesegerät, das jederzeit kostenlos auf so ziemlich die gesamte digitalisierte Weltbibliothek zugreifen könnte, hätte einen beeindruckenden Produktvorteil gegenüber Geräten, deren Nutzer jedes einzelne E-Book kaufen müssen. Zumal die Grenzen zwischen Besitz und Ausleihe in der Welt der immateriellen Bücher immer mehr verschwimmen (vermeintlich gekaufte Bücher können jederzeit zurückgeholt, nicht jedoch antiquarisch weiterverkauft oder -verschenkt werden). Für Sony ist es also durchaus sinnvoll, auf Tuchfühlung mit dem Monopolisten in spe zu gehen.

Diese Artikel könnten Sie interessieren:

  1. Lesenswert: Ilja Braun über das Google Book Settlement
  2. Lawrence Lessig über das Google Book Settlement
  3. Google wird Buchhändler
  4. Open Source statt Memory Hole? Txtr gelobt Transparenz, Vodafone ziert sich
  5. Kindle 1984: Amazon einigt sich mit Klägern, will brav sein

Abgelegt unter: Digitale Geschäftsmodelle, Technologie, Unternehmen | Tags: , , , , , , , Ein Kommentar »

Ein Kommentar zu “Sony schaltet sich in Book Settlement Streit ein, will mitverdienen”

  1. Thomas

    Ich finde es ehrlich gesagt positiv, dass Sony sich in Sachen eBook mit Google zusammengeschlossen hat. Die kostenlosen EPUB-Ebooks von Google machen es für viele Kunden überhaupt erst reizvoll sich einen Ebook-Reader anzuschaffen. Wenn dazu auch noch viele Modelle das entsprechende Format unterstützen, ist dem Vormarsch der Ebook-Reader ja eigentlich nichts mehr entgegenzusetzen. Amazon muss sich auf jeden Fall in Acht nehmen und sich eine Gegenstrategie ausdenken…

Back to top