Lesenswert: Jörg Gerschlauer fordert Enthusiasmus für E-Books

Die Diskussionen über DRM und die Preisgestaltung von E-Books sind notwendig und wichtig, meint Jörg Gerschlauer, Vertriebsleiter des MVB (zu dem auf die E-Book-Plattform libreka gehört), in einem Diskussionsbeitrag auf der Website des Börsenblatts. Wichtiger wäre aber für die Branche, die Beschäftigung mit E-Books nicht als Pflichtübung zu verstehen, sondern ein wenig Enthusiasmus für die neue Technologie und die mit ihr verbundenen Chancen (und Fragen) aufzubringen:

“Der entscheidende Punkt ist doch, dass wir – und damit meine ich die gesamte Branche – eine größere Lust aufs E-Book erzeugen müssen. Und dazu brauchen wir sie in allererster Linie bei uns selbst. Damit meine ich kein Abspulen eines Pflichtprogramms […], sondern die Art von Enthusiasmus und Entdeckerfreude, die sich auch davon nicht entmutigen lässt, dass auf absehbare Zeit wohl (noch) niemand mit E-Books allein reich und berühmt wird.”

Tatsächlich: Wenn die Branche gegenüber den Konsumenten vor allem als Spaßbremse auftritt, wird das ihrem Ansehen nicht gut tun. Der mächtige Verband der amerikanischen Musikindustrie RIAA macht vor, wie man sich als Branche unbeliebt macht, wenn man neuen Technologien, denen die Verbraucher offener gegenüberstehen als man selbst, vor allem mit Ängsten und Restriktionen begegnet. Arrogante Äußerungen von Branchenvertretern können ja geradezu Lust auf Piraterie machen.

Sauertöpfisches Auftreten und bremsende Bedenkenträgerei, wie sie in der deutschen Buchindustrie bei E-Book-Themen leider verbreitet sind, ebenso. Insofern täte sich die deutsche Buchbranche mit einer offeneren, positiveren Haltung zur technologischen Innovation tatsächlich selbst einen Gefallen: Wer will, dass die Verbraucher Kunden bleiben, muss freundlich und offen auftreten.

Wie sehr Gerschlauer da allerdings pro domo argumentieren muss, zeigt die doch recht missgelaunte Überschrift, unter die die Börsenblattredaktion (eh nicht die Vorhut des Technologieoptimismus) seinen wichtigen Beitrag gestellt hat: “Operation gelungen, Patient tot” – Klingt nicht nur positiv, sondern ist zudem originell.

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