Kindle 1984: Petition gegen Amazons DRM

Die Anti-DRM-Kampagnenplattform Defective by Design der Free Software Foundation hat eine Petition veröffentlicht, in der sie Amazon aufruft, “alle DRM-Maßnahmen, einschließlich der Möglichkeit, auf die Nutzerbibliothek zuzugreifen oder sie zu kontrollieren, vom Kindle zu entfernen.” Zu den Erstunterzeichnern zählen Internetgrößen wie Clay Shirky, Lawrence Lessig, Richard Stallman und Cory Doctorow.

Die Kampagne bezieht sich auf die umstrittene Löschaktion mehrerer E-Books (unter anderem ausgerechnet George Orwells “Nineteen Eighty-Four”) von allen im Umlauf befindlichen Lesegeräten und auf die selektive Abschaltung der Vorlesefunktion des Kindle.

Obwohl die Aktionen, wie Nate Anderson in einem lesenswerten Hintergrundartikel auf Ars Technica ausführt, nicht als Digital Rights Management (DRM) im klassischen Sinne gelten können, versteht die Free Software Foundation sie als solche, da sie “eine Kontrollmöglichkeit, über das Gerät eines Endnutzers” darstellen. Diese Auffassung ist im Einklang mit der recht breiten DRM-Definition der Free Software Foundation, derzufolge DRM nicht als “Digital Rights Management”, sondern als “Digital Restrictions Management” zu verstehen sei, das auch eine generelle Überwachung das Nutzerverhaltens einschließen könne:

“DRM Technology can restricts users’ access to movies, music, literature and software, indeed all forms of digital data. Unfree software implementing DRM technology is simply a prison in which users can be put to deprive them of the rights that the law would otherwise allow them. […] DRM is being used to restrict individuals’ use of their own copies of published works. To enforce these restrictions, DRM software, and now hardware, must monitor and control a computer users’ behavior. Frequently it reports on what it sees.”

Wie Nate Anderson zurecht anmerkt, sind die Chancen, dass die Petition bei Amazon auf Gehör stößt, gering. Aus Amazons Sicht ist DRM ein wichtiges Argument, um Verlage ins Boot zu holen und damit ein attraktives E-Book-Angebot für den Kindle zur Verfügung stellen zu können.

Während in der Musikbranche DRM zwar noch nicht als ganz tot gilt, sich aber doch deutlich auf dem Rückzug befindet – spätestens seit Amazon seine Musikdateien DRM-frei zum Download anbietet –, halten auch hierzulande zahlreiche Buchverlage DRM für wünschenswert, weshalb auch libreka, die E-Book-Plattform des Börsenvereins-eigenen MVB , seit kurzem einen sogenannten “harten Kopierschutz” ermöglicht – obwohl MVB-Geschäftsführer Ronald Schild DRM kritisch gegenübersieht, wie er in einem bemerkenswerten Diskussionsbeitrag klargestellt hat.

Dass die Verlage mit ihrem Beharren auf DRM auch die Marktposition von Amazon stärken, das seine spezifische Form des Kindle-DRM nutzt, um Leser von sich abhängig zu machen (Kindle-E-Books sind auf anderen E-Readern nicht zu lesen), scheint in der Verlagsbranche bisher noch nicht als Problem gesehen zu werden.

Nate Anderson hofft, dass der zunehmende Protest von E-Book-Kunden Verlage in Zukunft eines Besseren belehren wird:

“People in the content industry are fond of saying that music has been the »canary in the coal mine,« showing movie studios and publishers a glimpse of their own futures. Should that turn out to be true, DRM electronic books might eventually fade away once consumers grow angry enough (and publishers realize that it’s Amazon now dictating the terms to them).”

Eine bescheidene Möglichkeit zum Protest bietet nun die Petition der Free Software Foundation.

(via Perlentaucher, Netzpolitik)

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