Lesenwert: Eierkocher der Revolution – Dirk von Gehlen gratuliert Napster zum Zehnten

Dirk von Gehlen gratuliert heute in der Süddeutschen Zeitung Napster mit einem äußerst lesenswerten Artikel zum zehnten Geburtstag. Das von Shawn Fanning erdachte und programmierte Peer-to-Peer-Prinzip von Napster hat die Verteilung digitaler Medienprodukten revolutioniert, den Einfluss der Konsumenten vergrößert und die Rolle der Verwerterindustrien geschwächt.

Folge dieser neuen Struktur ist die eine von den Monopolinteressen der Verwerterindustrien kaum zu kontrollierende Proliferation von Medienprodukten. In der Vergangenheit vor allem von Musik-Files, dann auch von Videos und zukünftig wohl auch von E-Books. Über dazu passende Geschäftsmodelle denken die Verwerterindustrien seitdem nach, wann immer ihnen das Prozessieren gegen Filesharer Zeit dazu lässt.

“Shawn Fanning hat vor zehn Jahren so etwas wie den Eierkocher für Musik erfunden – was kulturell zu verstehen ist und weniger technisch. Denn genau wie ein einmal gekochtes Ei nicht mehr in den ungekochten Zustand zurückversetzt werden kann, ist auch der Umgang mit Musik nicht mehr so wie vor dem Sommertag vor zehn Jahren, als ein Student aus Boston ein Programm schrieb, um seine Lieblingslieder mit seinen Freunden zu teilen. Und genau wie man anders mit einem gekochten Ei umgehen muss als mit einem rohen, verlangt auch die Napster-Welt einen anderen Umgang, um die Chancen der Digitalisierung zum Nutzen von Kunden und Künstlern einzusetzen.”

Leider kann das Geburtstagskind Dirk von Gehlens Gratulation nicht mehr persönlich entgegennehmen, da es bereits 2002 im zarten Alter von drei Jahren nach kurzem tapferen Kampf verschieden ist – nur sein Name lebt noch fort. Trauer wäre dennoch fehl am Platz: Ein früher, heldenhafter Tod gehört sich für Revolutionäre. Und für jede Revolution ist es doch das größte Lob, den Wirkungsgrad eines Eierkochers zu erreichen.

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