Lesenswert: Legalize it – Klaus Wrede will Filesharer nicht verknacken

Wie erfrischend, in der deutschen Branchenpresse eine innovationsfreudige Meinung zu lesen! Filesharer sollen nicht verfolgt werden, fordert Klaus Wrede im Börsenblatt – der juristische Kampf gegen die ungeregelte Verbreitung sei eh “aussichtslos”. Und widerspreche letztlich der Kernaufgabe des Verlegens. Denn die, erinnert uns Wrede, bestehe nicht im Verkaufen von Büchern, sondern im Verbreiten von Inhalten:

“Man hat das Gefühl, dass einige Verlage digitale Inhalte am liebsten vermarkten würden, ohne sie verbreiten zu müssen. Denn jede Verbreitung kann zu Missbrauch führen. Und geradezu reflexhaft wird unerlaubte Nutzung verfolgt oder erschwert. Dabei ist wohl jeder Verleger einmal mit dem lobenswerten Ziel angetreten, wichtige Inhalte möglichst weit zu verbreiten. Es muss diesem Verleger doch ein ungutes Gefühl geben, wenn er feststellt, dass er nun fast mehr Sorge dafür trägt, die Verbreitung seiner Inhalte zu verhindern, als diese zu fördern.”

Doch wie wird daraus ein Geschäft? Die Verlage könnten sich darauf verlegen, “Nutzerumgebungen” für E-Books zu schaffen, die für Leser attraktiver sind als lieblos aufgestaplete Dateihaufen auf Downloadservern, schlägt Wrede vor.

Wredes Ansatz ist interessant und unumgänglich: vom Nutzer – also vom Leser und Downloader – her zu denken statt vom Produzenten her. Denn die Digitalisierung ist eine Ermächtigung des Konsumenten, der zum Bezahlen nicht mehr gezwungen werden kann, sondern zum Zahlen gewonnen werden muss.

Den “Workflow” des Lesers zu unterstützen, wie Wrede fordert, kann beispielsweise auch heißen, ihm einen guten, atmosphärischen und übersichtlichen Platz im Web zu bieten, auf dem er gute literarische (sei’s belletristische, sei’s fachliche) Angebote nach seinem Geschmack finden und nutzen kann. Und sich am besten sogar als Leser einbringen kann – solche social web-Applikationen für Leser gibt es ja bereits. Nur überlassen Verlage bisher anderen dieses Feld: Den Shelfaris, BookGluttons und Bookrix, deren Attraktivität bisher kein einziges Verlagsangebot erreicht.

Wie sehr Wrede mit seinen klaren Thesen im Börsenblatt ins Wespennest sticht, zeigen die zahlreichen kontroversen und ebenfalls lesenswerten Kommentare.

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