Lesenswert: Ilja Braun über das Google Book Settlement

Das Google Book Settlement privilegiert Nutzer und Verlage in den USA, schreibt Ilja Braun heute im Perlentaucher. Durch IP-Blocking wird Google sicherstellen, dass nur von amerikanischen IP-Adressen aus auf die vom Book Settlement betroffenen Bücher zugegriffen werden kann. Wer außerhalb der USA vor dem Computer sitzt, wird auf die von Google eingescannten Bücher nicht zugreifen können.

Wie Braun darstellt, will Google so Vorwürfen entgehen, außerhalb der USA, wo es sich durch das Book Settlement juristisch absichert, gegen lokale Urheberrechts- oder Copyrightbestimmungen zu verstoßen. Dadurch werden die Nutzer von Googles Büchersuche in den USA allerdings weit mehr haben als anderswo:

“Nach der Genehmigung des Vergleichs werden die Leser in den USA Zugriff auf mehr als zehn Millionen digitalisierte Bücher haben. Bibliotheken werden ihren Besuchern über institutionelle Abonnements ermöglichen, diese Texte im Volltext zu lesen. Von dem abgelegensten kleinen Ort aus wird man so auf die Bestände der New York Public Library zugreifen können. Bücher, die im Handel längst nicht mehr erhältlich sind, werden als E-Book oder Print-on-Demand Ausgabe wieder lieferbar sein. In Europa und im Rest der Welt werden hingegen nur solche Titel verfügbar sein, die entweder gemeinfrei sind oder die die Rechteinhaber selbst bei Google angemeldet haben.”

Nicht nur Nutzer, sondern auch amerikanische Autoren und Verlage seien durch das Book Settlement gegenüber ihren Kollegen außerhalb der USA privilegiert, schildert Ilja Braun. Daher regt er an, eine deutsche Version des Book Settlement auf den Weg zu bringen:

“Eine deutsche Ausgabe des viel geschmähten Google Settlements wäre also womöglich gar keine so schlechte Lösung – nicht zuletzt für die an einem Zugang zu zehn Millionen digitalisierten Büchern interessierte Öffentlichkeit.”

Eine Frage, die sich mir nach Brauns lesenswertem Essay allerdings weiter stellt: Würde Google nicht doch gegen Bestimmungen des deutschen Urheberrechts verstoßen, wenn es für US-amerikanische IP-Adressen Bücher nutzbar machen würde, die nach deutschem Recht geschützt sind? Selbst wenn der Verstoß nur anderswo stattfindet – mir scheint: ein Verstoß bliebe er doch.

Google hat, wie Ilja Braun berichtet, eingestanden, dass es beim Book Settlement “in Sachen Informationspolitik noch einiges nachholen” müsse. Dem kann man nicht recht widersprechen.

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