Lesenswert: E-Book-Preise “eine Beleidigung”

Es gibt sie, die innovationsfreudigen, experimentoffenen Ansätze zum Medienwandel in Gutenbergs Welt. Nur gibt es sie leider bisher vor allem außerhalb der deutschsprachigen Verlagslandschaft. Während hier alle so ziemlich denselben Kanon singen, hat auf der Insel einer den Mut zum Solo:

Wer für E-Books die gleichen Preise wie für gedruckte Bücher verlangt, beleidigt seine Käufer, findet The Friday Project-Verleger Scott Pack. Das berichtet Catherine Neilan in einem kurzen Artikel für The Bookseller:

‘We are kidding ourselves if we think we can charge the same for an e-book as we do for a print copy,’ he said. ‘Most ridiculous of all is charging the same as a hardback – we are insulting our audience to do that. If, and they will, e-books start to encroach on print sales, we have to find another way of dealing with that.’

Gleichzeitig experimientiert The Friday Project offenbar recht erfolgreich mit alternativen Urheberrechtsmodellen. Ein kürzlich veröffentlichter Band (mit dem ansprechenden Titel Blood, Sweat and Tea) erschien auf Betreiben seines Autors Tom Reynolds unter Creative Commons Lizenz. Das habe eine große Mundpropaganda ausgelöst, die künftigen Veröffentlichungen zugute kommen werde, hofft Scott Pack. Generell sieht Pack in der Gratisveröffentlichung von E-Books eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erzeugen – vor allem für debütierende Autoren. In nachfolgenden Publikationen, die unter den traditionellen Copyright-Regeln veröffentlicht werden, soll diese Aufmerksamkeit dann in Geld umgemünzt werden.

Übrigens scheint die Downloadseite für das unter CC-Lizenz stehende Buch nicht mehr zu funktionieren. Dafür werben sowohl der Autor auf seinem Blog als auch der Verlag auf seiner Website für die gedruckte Ausgabe zum Preis von £7,99. Aber bestimmt gibt’s die CC-Version noch auf irgendwelchen Torrents in Nachbarschaft mit streng illegalen Angeboten. Schade, dass der Leser so weiter daran gewöhnt wird, seine Ware in der Grauzone zu beziehen, anstatt dass ihm der Verlag eine eigene propere Downloadmöglichkeit gibt.

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