Groschen-E-Books

Der britische Groschenheftverlag Mills & Boon stellt ab sofort sein gesamtes Programm als E-Books zum Download auf Mobiltelefone bereit. Neue Titel erscheinen zukünftig zeitgleich auf Papier und als E-Book. Dies meldet heute The Bookseller.

Da das Groschenheft seit jeher durch seine billigere physische Erscheinung eine geringe Bindung ans Trägermedium Papierbuch hatte (zur repräsentativen Aufbewahrung im Bücherregal ist es nie geschaffen gewesen), erscheinen mir die Perspektiven des digitalen Vertriebs für diesen Marktsektor besonders attraktiv. Zumal Groschenheften ja auch ein gewisses soziales Stigma anhaftet, das möglicherweise Leser zögern lässt, öffentlich (etwa in der U-Bahn) ihre Lektüre zu pflegen. Auf dem Handydisplay wird diese Lektüre diskreter und damit möglicherweise auch attraktiver.

Vielleicht wird sich das neue Medium E-Book ja zuerst und am schnellsten in dem Bereich durchsetzen, auf den viele Bildungsmenschen herabblicken. Es wäre nicht das erste Mal, dass Penny Dreadfuls zu Medien- und Leserevolutionen führten. Die Penny Dreadfuls des Viktorianismus wurden durch neue, kostensparende Entwicklungen auf dem Gebiet der Drucktechnik und Papierherstellung erst möglich und verdankten ihre Popularität der damals stark angestiegenen Lesefähigkeit der Bevölkerung (die sie ihrerseits wiederum beförderten). Parallel dazu mag die Verbreitung von Groschen-E-Books auf der (potentiell) billigeren nonphysischen Verbreitungsform und der sich ausbreitenden digital literacy aufsetzen und diese ihrerseits fördern.

Die Penny Dreadfuls des Viktorianismus trugen zur Entwicklung eines Massenmarktes für Literatur und kulturelle Produkte insgesamt bei. Ob Groschen-E-Books die heutige Kultur ähnlich transformieren werden?

Verweise: Über Penny Dreadfuls schreibt Bruce Rosen in seinem Victorian History Blog. Als Kapitel in der Geschichte der Massenmedien haben sie in Irving Fangs History of Mass Communication (Boston: Focal Press, 1997, auch bei Google Booksearch) Eingang gefunden.

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