Chris Andersons Thesen zum “Free”

TechCrunch fasst heute einige Thesen zusammen, die der Wired-Herausgeber und Autor von The Long Tail über das Geschäftsmodell Free aufstellt (und wohl in einem in Kürze erscheinenden Buch ausführen wird).  Darin formuliert Anderson – nicht zum ersten Mal – das “Online-Gesetz der Schwerkraft” (“law of gravity online”): “Everything that becomes digital will become free.” – “Free” wie “gratis”.

Da die gesamte Medienbranche inzwischen Digitales produziert, betreffen Andersons Thesen Zeitungsverlage ebenso wie Musik- und Buchverlage. Möglichkeiten, mit gratis abgegebenen Produkten Geld zu verdienen, liegen nach Andersons Auffassung besonders im Nischenbereich: Während Inhalte, die einen breiten Interessentenkreis haben, “free” bleiben würden, kann man nach seiner Ansicht spezialisierte Inhalte, die nur einen kleinen Interessentenkreis haben, verkaufen.

Auf Buchverlage bezogen, würde dies ein Umstülpen der Mischkalkulation bedeuten: Die Angebote, die für einen kleineren Leserkreis attraktiv sind, könnten am Ende die Angebote, die einen großen Leserkreis haben, subventionieren. Was auf den ersten Blick widersinnig erscheint, kann durchaus interessant sein, wenn man den Gedanken länger durchspielt. Etwa in dieser Form: Ein Bestseller macht das Publikum auf einen Verlag aufmerksam. Damit er ein möglichst großes Publikum und damit eine möglichst große Aufmerksamkeit für den Verlag erreicht, wird er gratis abgegeben. Die gewonnene Aufmerksamkeit des Publikums gilt es dann zu binden und für die Verkäufe von Nischenprodukten zu nutzen. – Wobei das Produkt ja nicht nur in weiteren Buchtiteln bestehen könnte, sondern auch in Dienstleistungen wie einem privilegierten Kontakt oder gar einem kommunikativen Rückkanal zum Autor.

All das sind, zugegeben, noch recht unausgegorene Gedanken. Vielleicht enthält Andersons Buch ja auch einige Einsichten im Detail. – Um falsche Erwartungen zu dämpfen: Das für Juli Buch angekündigte Buch mit dem Titel “Free: The Past and Future of a Radical Price” wird nicht nicht “free” abgegeben werden. Der Listenpreis beträgt US$ 26,95.

Update (8.7.09): Auf Scribd lässt sich Chris Andersons “Free” kostenlos lesen – allerdings nicht herunterladen. (via Leander Wattig)

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